London - Der britische Finanzminister Gordon Brown und der Gouverneur der Bank von England (BoE), Edward George, haben Spekulationen über einen baldigen Euro-Beitritt Großbritanniens gedämpft. Großbritannien werde an seiner bedächtigen und vorsichtigen Politik des "Pro-Euro-Realismus" festhalten, betonten die beiden am Mittwochabend in London. George sagte, die derzeitige Stärke des Pfund zum Euro könne ein ernst zu nehmendes Hindernis für den baldigen Beitritt zur Euro-Zone sein. Der Wahlsieg der Labour-Regierung von Premierminister Tony Blair hatte an den Finanzmärkten Spekulationen ausgelöst, der Beitritt zum Euro sei in greifbare Nähe gerückt. Wirtschaftliche Kriterien Brown hatte am Mittwochabend in der so genannten Mansion-House-Ansprache gesagt, es sei dringend geboten, dass die fünf britischen Testkriterien für den Euro-Beitritt erfüllt würden. "Im Grundsatz bietet die britische Beteiligung an einer erfolgreichen Gemeinschaftswährung offensichtliche Vorteile - im Handel, bei Transparenz, Kosten und Wechselkursstabilität", sagte er. Es müsse aber streng geprüft werden, ob die wirtschaftlichen Kriterien auch erfüllt seien. Er bekräftigte, die Labour-Regierung wolle wie versprochen innerhalb von zwei Jahren nach dem Wahlsieg ein Referendum zum Euro-Beitritt abhalten. Bisher stehen die Chancen für eine Zustimmung der britischen Bevölkerung zum Euro allerdings schlecht: Nach jüngsten Umfragen lehnen zwei Drittel der Briten eine Euro-Mitgliedschaft ab. George verteidigte beim Mansion-House-Dinner die vorsichtige Euro-Politik der britischen Regierung. "Ich betrachte das derzeitige Umfeld - im besonderen die derzeitige Schwäche des Euro - als ein potenziell ernst zu nehmendes Hindernis für einen frühen Beitritt (zur Euro-Zone)", sagte er. Deswegen begrüße er die überlegte und vorsichtige Politik der Regierung. "Die meisten Leute stimmen darin überein, dass der Wechselkurs des Pfund Sterling bei einem Beitritt zum Euro deutlich niedriger sein muss als zur Zeit," sagte George. Der gegenwärtige hohe Kurs werde von nur wenigen als dauerhaft durchhaltbar gesehen, fügte er hinzu. Wechselkurs des Pfundes zum Euro Nach Einschätzung von Volkswirten müsste der Wechselkurs des Pfundes zum Euro von derzeit rund 61,10 Pence zum Zeitpunkt eines britischen Euro-Beitritts um rund zehn Prozent niedriger sein, um Wettbewerbsnachteile für Großbritannien zu vermeiden. Nach dem deutlichen Wahlsieg der Labour-Partei bei den Unterhauswahlen war das Pfund allerdings zum Dollar deutlich unter Druck geraten und war vergangene Woche zur US-Währung mit 1,37 Dollar auf das niedrigste Niveau seit 15 Jahren gefallen. Donnerstagvormittag wurde das Pfund mit 1,4036/45 Dollar gehandelt. Der Euro kostete 0,6101/07 Pfund. (APA/Reuters)