Berlin/Leimen - Der Schriftsteller Harald Gerlach, der lange in der DDR und dann im Westen lebte, ist nach schwerer Krankheit 61-jährig am 19. Juni in Leimen gestorben, teilte der Aufbau-Verlag am Donnerstag in Berlin mit. Zu Gerlachs Werk gehören Lyrik, Romane, Essays und Hörspiele. Von der Literaturkritik positiv besprochen wurde sein Roman "Windstimmen" (1997), eine fantastische Familiensaga über die Magie der Zeit, die Erfindung von Wahrheit und das Warten auf das versprochene Paradies. Für "Windstimmen" erhielt Gerlach den "Phantastik-Preis" der Stadt Wetzlar. Zu seinen Lyrikbänden gehören "Mauerstücke" (1972) und "Nirgends und zu keiner Stunde" (1998). 1999 kam der Roman "Rottmanns Bilder" heraus. Posthum wird der Aufbau-Verlag im August den Roman "Blues Terrano" veröffentlichen, den Gerlach noch fertig stellen konnte. In der Biografie Gerlachs spiegelt sich die jüngere deutsche Geschichte. Geboren 1940 in Bunzlau (Schlesien) folgte 1945 die Flucht in Richtung Westen. Bis 1950 lebte er im südthüringischen Haina, danach in Römhild; 1958 Abitur in Meiningen. Nach einer längeren Italien- und Frankreichreise 1960 kehrte er in die DDR zurück, obwohl er wegen der Fahrt inhaftiert wurde. Gerlach arbeitete unter anderem als Kiesgrubenarbeiter, Totengräber und Bühnentechniker. Schließlich wurde er Theatermeister in Erfurt und dort literarischer Mitarbeiter der Städtischen Bühnen, seit 1992 lebte er in Leimen. 1969 erschien Gerlachs erste Gedichtveröffentlichung in der Publikation "Neue Deutsche Literatur". Seiner erster Lyrikbank kam 1972 heraus, die Erzählung "Das Graupenhaus" folgte vier Jahre später. Das Schicksal als Flüchtling beeinflusste seine skeptische Grundhaltung. Ihm ging es um die Selbstbehauptung des Individuums unter veränderten deutschen Bedingungen, heißt es im Nachruf der Zeitung "Die Welt". (APA/dpa)