Wien - Studenten, die ab Herbst die Studiengebühren über Kredit finanzieren wollen, werden aus einer Vielzahl an Angeboten die für sie günstigste Variante wählen müssen. Denn die Banken werden im freien Wettbewerb mit Studiengebühren-Darlehen um die heiß umkämpfte Zielgruppe Studenten werben. Das am Donnerstag von Bildungsministerin Elisabeth Gehrer (V) vorgestellte Modell für zinsbegünstigte Darlehen zur Finanzierung der Studiengebühren sieht nur Eckpunkte wie den zweiprozentigen Zinsenzuschuss des Bundes für maximal sieben Jahre vor, alle übrigen Kreditkonditionen können die Banken individuell gestalten. Das begünstigte Darlehen können alle Studierenden bis zu jenem Semester in Anspruch nehmen, in dem sie das 30. Lebensjahr überschreiten. Es dient ausschließlich zur Finanzierung der Studienbeiträge, d.h. es gibt maximal 10.000 S pro Jahr. Der Zinszuschuss des Bundes in Höhe von zwei Prozent wird für längstens 14 Semester beginnend mit dem Studienjahr 2001/02 gewährt. Rückzahlen kann man schon während des Studiums, verpflichtet dazu ist man nach Beendigung des Studiums. Sehr einfach Nach Angaben des Chefs der Bank-Sektion in der Wirtschaftskammer, Peter Püspök, Generaldirektor der Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien (RLB), handelt es sich um ein "sehr einfaches Modell". Der Student bekommt auf der Bank, für die er sich entschieden hat, ein separates Konto. Von dort gehen die 5.000 S Studiengebühren pro Semester direkt auf das Konto der jeweiligen Uni und jeweils zum Jahresende wird der Zinszuschuss des Bundes auf das Konto überwiesen. "Alle anderen Konditionen sind dem freien Wettbewerb überlassen, ein Wettbewerb, der nur zum Vorteil der Studenten sein wird", sagte Püspök. Dessen Bank beispielsweise gewährt zusätzlich zum Bundeszuschuss weitere 1,5 Prozent Zinsnachlass, sodass nach dem Euribor-Zinssatz von derzeit 4,5 Prozent der Student tatsächlich nur ein Prozent Zinsen zahlen würde. Individuell vereinbart werden müssen auch die Bedingungen für die Rückzahlung nach Beendigung des Studiums, etwa in welchem Zeitraum die Rückzahlung erfolgt und welcher Zinssatz in dieser Zeit gilt. Die Banken behalten sich vor Zuteilung des Kredits eine "normale Bonitätsprüfung" und bei entsprechenden Voraussetzungen auch eine Ablehnung vor. Sollte jemand nach dem Studium keinen Job finden und Probleme mit der Rückzahlung haben, sei das das Risiko der Banken, sagte Püspök, der das Darlehen als "Investitionskredit" betrachtet, "als Investition in die Ausbildung". Keine Kosten für öffentliche Hand Nach Angaben Gehrers entstehen aus dem Zinsenzuschuss des Bundes heuer keine Kosten für die öffentliche Hand, im kommenden Jahr würde mit rund vier Mill. S gerechnet. Die Ministerin betonte erneut, dass "niemand aus finanziellen Gründen nicht studieren wird können". Das Budget für Studienbeihilfen werde um 450 Mill. S auf zwei Mrd. S aufgestockt, 12.500 Studierende würden zusätzlich in das Beihilfensystem einbezogen. Darüber hinaus wolle man Leistung einen besonderen Stellenwert geben. Das Budget für Leistungsstipendien würde deshalb von 15 auf 56 Mill. S angehoben, 3.000 Personen zusätzlich in den Genuss dieser Förderung kommen. Die zusätzlichen Mittel für die höhere Studienförderung seien bereits in den Budgets 2001 und 2002 berücksichtigt. Rückgang für Gehrer sicher Gehrer ist sicher, dass auf Grund der Studienbeiträge die Zahl der Studierenden, die an den Unis angemeldet sind, zurückgehen werde. Für sie seien aber "nicht die Studenten-, sondern die Absolventenzahlen maßgeblich". Außerdem stünden dann "endlich realistische Zahlen" statt "verzerrter Statistiken" zur Verfügung. "Man wird dann realistisch sehen, wie hoch tatsächlich die Belastung der Institute und Professoren ist", sagte Gehrer. (APA)