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Jena - Jenaer Wissenschaftler haben ein Verfahren entwickelt, um neue Substanzen auf ihre Wirksamkeit gegen Viren zu prüfen. Damit kann eine hohe Anzahl verschiedener chemischer Verbindungen oder Naturstoff-Extrakte darauf getestet werden, inwieweit sie die zellzerstörende Kraft von Viren bremsen oder verhindern. Die Tests lassen sich sogar in einem Arbeitsgang durchführen. Das Verfahren liefert damit den entscheidenden Hinweis, ob die Entwicklung eines neuen Medikaments Erfolg verspricht.

Auf einer herkömmlichen, etwa handtellergroßen Gewebekulturplatte werden dafür Zellkulturen in 60 klar abgegrenzten Proben angelegt. An diesen Proben überprüfen die Wissenschaftler zunächst die Testsubstanz selbst auf ihre zellgiftige Wirkung. Grundsätzlich wird dann nur noch mit Konzentrationen gearbeitet, die gesundes Gewebe nicht schädigen. In einem zweiten Arbeitsschritt wird die Zellkulturplatte vorher mit Viren „beimpft“. Bereits nach 24 bis 48 Stunden zeigt ein Indikator an, wie viele Zellen den Virus-Angriff überlebt haben.

Nadel im Heuhaufen

„Die Suche nach antiviralen Wirkstoffen gleicht der sprichwörtlichen Suche nach der Nadel im Heuhaufen“, erläutert Michaela Schmidtke vom Institut für Virologie der Universität Jena. In den vergangenen drei Jahren haben die Forscher mit dem Test mehr als 6.000 Substanzen überprüft und ihn dabei so weit entwickelt, dass ihn jede Laborfachkraft nach einer kurzen Einweisung anwenden kann. Die Trefferquote liegt im „Normalbereich“: 0,1 Prozent der Ergebnisse fallen so vielversprechend aus, dass sich eine weitere Forschung lohnt. Damit sei das Verfahren zwar mühsam, so Schmidtke. Zurzeit gäbe es jedoch keine Alternative im Kampf gegen Viren, als immer wieder neue Wirkstoffe zu entwickeln. „Die elektronenmikroskopisch kleinen Krankheitserreger besitzen die gefährliche Fähigkeit, sich binnen weniger Generationen genetisch zu verändern und dabei auch Resistenzen gegen medizinisch bewährte Therapien zu entwickeln.“

Im Routine-Verfahren testen die Wissenschaftler vor allem Substanzen gegen Herpes-simplex-, Coxsackie- und Influenza-A-Viren. Diese repräsentieren wichtige genetische Reproduktionsprinzipien von Viren. Der Jenaer Screening-Test ist aber auch auf andere Erreger-Arten übertragbar, etwa auf Maul- und Klauenseuche-, Schnupfen- oder Masern-Viren. „Voraussetzung ist, dass die Viren sehr gut bekannt sind“, so Schmidtke. „Nur auf den richtigen Zellkulturen verläuft der Test so schnell, dass nach spätestens zwei Tagen ein aussagekräftiges Ergebnis vorliegt.“ Doch selbst nach erfolgreicher Wirkstoffsuche ist der Weg bis zu einem zugelassenen Medikament immer noch sehr weit. (pte)