Le Bourget - Obwohl moderne Flugzeuge deutlich leisere Triebwerke haben als früher, wächst die Umweltbelastung an Flughäfen. Nun wollen Wissenschafter dem Lärm auf ungewöhnliche Weise beikommen - mit Lärm. Dahinter steckt die Idee, die Schallwelle mit einer gegenläufigen Schallwelle zu überlagern. Denn aus zwei Mal Krach kann Stille entstehen, zumindest theoretisch. Auf dem Luftfahrtsalon in Le Bourget präsentierte das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) ein Erfolg versprechendes Experiment an einem Triebwerk, und am Flughafen von Lyon steht der Prototyp eines "Antischallmastes", der den Fluglärm in der von ihm abgedeckten Zone senken soll. Doch bis zur praktischen Anwendung dürften in beiden Fällen noch etliche Jahre vergehen. 32 Lautsprecher haben die Experten des DLR von außen auf ein Flugzeugtriebwerk gesetzt. 32 Mikrofone messen den von den Turbinenblättern erzeugten Lärm, ein Computer errechnet den "Gegenlärm" und steuert die Lautsprecher an. "Wir haben uns zunächst einmal auf zwei für das Ohr besonders lästige Frequenzen beschränkt", erläutert Lars Engelhardt vom DLR. Deren Lautstärke sei im Versuch um bis zu 24 Dezibel gesenkt worden, über alle Frequenzen seien das bis zu 30 Prozent. Eine Demonstration auf der Luftfahrtausstellung bei Paris bestätigte die Einschätzung Engelhardts, der seinem Schallschlucker einen "hörbaren Effekt" bescheinigt. Aber derzeit gibt es nicht einmal hinreichend kleine Speziallautsprecher, die für einen Einsatz am Flugzeug Voraussetzung sind. "In fünf Jahren haben wir die", zeigt sich Engelhardt optimistisch. Und noch ist die ganze Anlage viel zu schwer. Eine weitere Einschränkung: Die Technik hilft nur beim Landeanflug, wenn das Geräusch der Turbinen dominiert. Beim Start bleibt die "Active Noise Reduction" abgeschaltet, und die Motoren dröhnen wie gehabt. Lärmversuche in Lyon An ein kleines Riesenrad erinnert ihrerseits die Apparatur, die die Firma Comptoir de la technologie am Flughafen Saint-Exupery in Lyon installiert hat. Statt Kabinen sind allerdings Lautsprecher an der Metallkonstruktion befestigt. Sie werden ebenfalls von vorgelagerten Mikrofonen und einem Zentralcomputer angesteuert und sollen dem Flughafenlärm den exakten "Antilärm" entgegenhalten. Das französische Unternehmen arbeitet mit Partnern in Großbritannien, Belgien und der Schweiz zusammen. Die Hälfte der Finanzierung hat nach Angaben von Firmenchef Jacques Martinat die EU übernommen. Um bis zu 20 Dezibel könnte eine solche Anlage den Krach eines startenden Jets in dem von ihr abgedeckten Gebiet senken, sagt Martinat. Die ersten Ergebnisse mit dem Prototyp seien ermutigend. Nunmehr sei in den nächsten eineinhalb Jahren die Errichtung von zwei weiteren Versuchsanlagen in Frankreich und Belgien geplant. Dabei soll auch eine Schule von dem "Antischallmast" profitieren. (APA/AP)