Tallinn - Die Regierung von Estland verlangt sofortige Freizügigkeit für eigene Bürger nach der EU-Aufnahme in den bisherigen Mitgliedsländern. Wie die in Tallinn erscheinende Tageszeitung "Postimees" am Freitag meldete, haben Ministerpräsident Mart Laar und Außenminister Toomas Ilves zur Unterstreichung dieses Anspruchs an alle 15 EU-Staaten Anfragen geschickt, ob und gegebenenfalls für wie lange diese planen, die von der EU vorgeschlagenen fünf- oder bis zu siebenjährige Übergangsfrist zu nutzen. Ohne Antworten könnten die Verhandlungen über einen estnischen EU-Beitritt nicht abgeschlossen werden, sagte Laar in einem Interview mit der dänischen Zeitung "Politiken". Wie es weiter hieß, haben Schweden und die Niederlande bereits angekündigt, dass sie die Übergangsfristen nicht nutzen, sondern sofortige Freizügigkeit gewähren wollen. Vor allem Deutschland und Österreich hatten sich in der EU für Übergangsfristen von sieben Jahren eingesetzt, mit denen die eigenen Arbeitsmärkte vor dem massiven Zustrom von Arbeitskraft aus den Beitrittsländern geschützt werden sollen. Estland gilt als einer der aussichtsreichsten EU-Kandidaten. In Meinungsumfragen votiert derzeit eine Mehrheit gegen den EU-Beitritt. Der baltische Nachbarstaat Lettland hatte in dieser Woche als zweites Kandidatenland nach Ungarn die Übergangsregelungen akzeptiert. (APA/dpa)