Wien - Der Vizepräsident der EU-Kommission, Neil Kinnock, ist gegen die in Österreidch debattierte Idee einer Volksabstimmung über die EU-Erweiterung. Wie Kinnock gegenüber der "Presse" (Samstag-Ausgabe) sagte, habe Österreich bereits eine Entscheidung getroffen - es habe eine demokratische Regierung und in einer Demokratie sei die Bevölkerung auf die Empfehlungen ihrer Regierung angewiesen. Dagegen verlangten in Dänemark und Irland die Verfassungen dieser Länder ein Referendum. Kinnock setzte sich dafür ein, dass die EU-Institutionen transparenter und nachvollziehbarer würden, denn die Menschen wollten einfach "mehr wissen". Die Politiker müssten die Menschen davon überzeugen, dass sie die Wahrheit sagten - gleichgültig ob es gute oder schlechte Nachrichten seien. Das irische Votum hält Kinnock nicht für eines gegen die Erweiterung, es sei eine Mischung aus mehreren Faktoren gewesen. Er glaube nicht, dass dieses Votum einen Schaden für die Integration bedeute. Die niedrige Beteiligung in Irland habe auch mit fehlendem Interesse zu tun, erst nachher habe man von Bürgern vernommen, wie wichtig die Abstimmung eigentlich gewesen sei. Der Zeitplan für die Erweiterung der EU sei eine Entscheidung der 15 EU-Regierungen, in der EU-Kommission würden sehr objektive Beurteilungen über die Fortschritte der Beitrittskandidaten erstellt. Wenn in einigen Fällen bei Beitrittskandidaten gesagt werde, die EU sei Ende 2004 in der Lage, sie willkommen zu heissen, garantiere dies nicht, dass 2004 das Datum sei, zu dem die Erweiterung passiere. Dass nationale Interessen europäischen im Weg stünden, hält Kinnock für unvermeidlich. Da es sich um eine Assoziation von 15 souveränen Demokratien handle, müsse eine Entscheidungsfindung pragmatisch sein. (APA)