Pörtschach - Sie wird immer wieder heraufbeschworen, diese mittlerweile etwa zwanzig Jahre alte Idee von der hormonellen Kontrazeption beim Mann. Allzu intensiv schien der Forschungsdrang diesbezüglich nie zu sein. Im Rahmen der 5. Sommerakademie für ApothekerInnen sonntags in Pörtschach berichtete Univ.-Prof. Dr. Hans Christian Egarter von der Wiener Universitätsklinik für Frauenheilkunde über die doch passierenden Fortschritte bei der Entwicklung der "Pille für den Mann". Akzeptable Methode für den Mann als Herausforderung Egarter blickte in seinem Vortrag zuerst auf die 40-jährige Geschichte der hormonellen Kontrazeption zurück. Dabei zeigt sich, so Egarter, dass sich die wissenschaftliche Forschungen hauptsächlich in Richtung Weiterentwicklung der Pille für die Frau konzentriert hat. Die Unterdrückung eines einzigen Eisprunges im Monat erschien einfacher, als die Unterdrückung der täglichen Produktion von Millionen Spermien. Trotzdem hat die Suche nach einer sicheren und akzeptablen Methode für den Mann nicht nur die Öffentlichkeit sondern auch die MedizinerInnen seit langem interessiert und herausgefordert. Diese Herausforderung hat auch die WHO immer beschäftigt und es wurden in der Vergangenheit einige Studien mit männlichen Hormonen - Testosteron - durchgeführt. Egarter: "Die Verabreichung von relativ hohen Dosen von Testosteron unterdrückt die Spermien-Produktion und macht Männer unfruchtbar. In diesen hohen Dosierungen hat Testosteron aber eine Reihe von höchst ungünstigen Nebenwirkungen, nicht nur was die Psyche betrifft, sondern auch Auswirkungen beispielsweise auf die Prostata und Leber." Spätere Versuche kombinierten Testosteron mit einem Progestagen, der zweiten Komponente neben den Östrogenen in den Pillen für die Frau. Mit Progestagenen kann man das reproduktive Hormonsystem auch beim Mann unterdrücken und damit die Spermien Produktion ausschalten. Allerdings unterdrückt das Progestagen auch die Freisetzung von Testosteron und ein zu niedriger Testosteron Spiegel im Blut führt zu Libido Störungen oder auch zur Osteoporose. Kombinationsmethode verspricht Erfolg Laut Egarter ist die gegenwärtige Strategie, die man in Studien nun eingeschlagen hat, die Verabreichung eines modernen Progestagens (z.B. Desogestrel) zur Unterdrückung der Spermien Produktion und gleichzeitig die Verabreichung von Testosteron als "Add back" Therapie. Das Ziel ist dabei, einen physiologischen Testosteron Spiegel zu erreichen. Idealerweise sollten beide Hormone in Form einer kombinierten Pille verabreicht werden, doch derartige Prototypen gibt es derzeit noch nicht. Deshalb wurde in Studien eine orale Tablette Desogestrel mit einem Testosteron Implantat oder einer Injektion kombiniert. Egarter: "Wann die Pille für den Mann generell verfügbar sein wird, ist davon abhängig, wie rasch die anstehenden Phase III Studien mit dem genannten Schema durchgeführt werden. Die wichtigsten Komponenten einer neuen kontrazeptiven Methode sind Sicherheit, Verlässlichkeit, Reversibilität und Akzeptanz und diese Kriterien müssen unbedingt von jeder neuen, für weite Teile der Bevölkerung bestimmten Methode erfüllt werden." Es bleiben eine Reihe von Fragen wie beispielsweise die optimale Dosierung oder der Applikationsweg noch offen. Daher rechnet Egarter damit, dass die Pille für den Mann generell frühestens erst in etwa 3-5 Jahren für jedermann verfügbar sein wird. (red)