FrageFrage
Sehr geehrte Frau Zugmann! Zum besseren Verständnis meines Problems ein kurzer Abriss meiner bisherigen beruflichen Tätigkeit: Nach dem Studium an der BOKU (Landwirtschaft) habe ich knappe 3 Jahre in einem Forschungsinstitut gearbeitet. Und nach einer kurzen Kinderpause bin ich in die landwirtschaftliche Haushaltsberatung eingestiegen, dort waren es auch 3 Jahre. Dann wollte ich "etwas "ganz anderes tun" und war mehr als 10 Jahre in einer Musikagentur als Direktionsassistentin mit Schwerpunkt Öffentlichkeitsarbeit tätig. Ende letzten Jahres habe ich beschlossen, den Job in der Musikagentur aufzugeben und habe das Jahr zur Entspannung und Weiterbildung benutzt (PC-Kuse, Intensivwirtschaftsseminar etc). Ich habe alle meine Jobs auf Vermittlung/Wunsch von Studienkollegen/Freunden bekommen, habe nie an Karriere/Geld gedacht, sondern vielmehr nach dem "Lustprinzip" gearbeitet. Mit 50 stehe ich nun da, kann auf ein bislang sehr erfülltes Berufsleben zurückblicken, aber es ist kein roter Faden drinnen! Ich habe manchesmal in Gesprächen den Eindruck, dass ich mit diesen doch sehr unterschiedlichen Tätigkeiten auf andere Menschen suspekt/unseriös wirke. Ich muß aber betonen, dass ich jede Tätigkeit mit absolutem Engagement ausgeführt habe, mir jedoch den "Luxus" geleistet habe, aufzuhören, wenn ich das Gefühl hatte, eine weitere Zusammenarbeit bringt beiden Teilen nichts mehr. NUN will ich aber wieder einsteigen! Ich weiss nur nicht WO ich anfangen soll, WIE ich das alles, WAS ich weiss und kann, verkaufen soll. Im Jobcoaching kam ich/man zur Erkenntnis, dass ich die besten Voraussetzungen zur selbständigen Unternehmerin habe, mir aber das letzte Quäntchen Mut und die finanzielle Basis dazu fehlen - und zudem wüßte ich nicht einmal in welchem Bereich - also scheidet diese Variante aus. Ich schaffe es nicht, auf die Frage "WAS möchtest du arbeiten" eine klare Antwort zu formulieren. Zu vieles interessiert mich und wenns stimmt, dann ist mir die Branche zeimlich egal. Und das ist mein Problem. WIE komme ich da raus??? Ich danke Ihnen für ihre Aufmerksamkeit und freue mich auf eine Antwort. Irene
AntwortAntwort
Liebe Irene! Wer keine eigenen Ziele hat, wird ewig für die Ziele anderer arbeiten. Helfen können Ihnen Ihre Bekannten nur, wenn Sie ein eigenes Ziel formulieren. Dieses zu finden, ist eine Arbeit, die Ihnen niemand abnehmen kann. Allerdings kann Sie ein Coach durch zielführende Fragen maßgeblich unterstützen. Was können Sie besonders gut, und wovon sollten Sie endlich die Finger lassen? Gab es zu irgendeinem Zeitpunkt in Ihrem Leben einmal so etwas wie berufliche Träume? Und was ist daraus geworden? Können Sie einen Teil davon wieder beleben? An welche Werte glauben Sie in besonderem Maße? Obwohl ich eine vehemente Gegnerin des in wirtschaftlichen Unternehmen vorherrschenden Jugendkults bin und obwohl ich Ihnen keine Illusionen rauben möchte, ist in Ihrem Fall Klartext angesagt: Aus Ihrem E-Mail geht hervor, dass Sie einen Erwerbsjob suchen, da Sie offensichtlich nicht von der Rendite angesparten Kapitals leben können. Der Arbeitsmarkt ist - wie das Wort schon sagt - ein Markt. Ein Markt, der von Angebot und Nachfrage geregelt wird. Unternehmen investieren in Arbeitskräfte, die die jeweils gesuchten Qualifikationen mitbringen und diese in einem Team und im Kontext mit den Kunden des Unternehmens so einsetzen, dass Wert geschöpft wird. Während in einzelnen wirtschaftlichen Bereichen akuter Personalmangel herrscht (Telekom, IT), wird im öffentlichen Sektor, in großen Teilen der Industrie sowie in Banken und Versicherungen der angestellte Mitarbeiterstand bewusst so schlank wie möglich gehalten. Schon 40-jährige Frauen haben bei Jobwechsel eher Probleme, es sei denn sie verfügen über einzigartiges Know-how und hervorragende Referenzen. Wichtig ist spürbare Neugier auf das, was das Arbeitsleben noch bereithalten mag und nicht zuletzt der Umgang mit den schon längst nicht mehr neuen Medien. So wird einem noch so guten Kandidaten heute nicht mehr verziehen wird, wenn er keine Firmeninformationen des einladenden Unternehmens aus dem Internet abgerufen und diese als Gesprächsvorbereitung genutzt hat. All Ihre Interessen und die erworbene Praxis in einem Job, von dem Sie auch leben können, einbringen zu können, halte ich nicht für realistisch. Der Approach solte daher umgekehrt erfolgen: Ich empfehle Ihnen, die Stellenteile der Tageszeitungen zu studieren und nach dem Ausschließungsverfahren vorzugehen. Außerdem empfiehlt sich die Lektüre der Wirtschaftsseiten, weil dort viele Hinweise auf Betätigungsfelder und neue Pläne der Unternehmen publiziert sind. Entscheiden Sie, ob Sie eine Tätigkeit auf dem Land in Betracht ziehen oder in der Großstadt leben wollen. Der Marktforschung ist auch die eingehende Sichtung der Angebote auf den online-jobsites und der Rubrik career opportunities auf den Webpages der Unternehmen dienlich. Sie haben Freunde und Studienkollegen erwähnt, die Ihnen Ihre bisherigen Jobs besorgt haben. Hören sie den Erfolgreichen unter ihnen aufmerksam zu, wenn diese über Zeitmangel stöhnen und filtern Sie aus den Klagen die Message heraus: Nämlich welche Art Tätigkeit diese Zeitgenossen überlastet. Vielleicht könnten Sie Ihnen etwas abnehmen? Letztendlich liegt die Zukunft im Networking: In Ihrem Fall könnte die Umkehr der Betrachtungsweise Ihres mangelnden roten Fadens Erfolg bringen: statt die Unterschiedlichkeit der Tätigkeiten als Nachteil zu sehen, die Vorteile hervorkehren. In all den Jahren müsste sich ja eine beachtliche Experten-Community angesammelt haben. Bringen Sie diese an einem Tisch zusammen - zu Ihrem eigenen und zu deren Nutzen. Vernetzen Sie das Know-how aus Ihrem Bekanntenkreis und das Wissen um die Bedürfnisse Ihrer Kunden aus den unterschiedlichsten Bereichen und kreiieren Sie ein neues Produkt. Ständig entstehen neue Märkte. Und viele sind mit mehr Hirn und unternehmerischem Einsatz als mit Grundkapital zu erobern. So gilt zum Beispiel der Freizeit- sowie Gesundheitsbereich und die Senioren- wie auch Kinderbetreuung zu den Wachstumsbranchen. Sieht man sich im Web um, stößt man auf die unglaublichsten Geschäftsideen: Eine Freundin von mir ist in New York verheiratet und betreibt von zu Hause aus einen sehr erfolgreichen online-Handel mit antiquarischen deutschen Büchern. Eine andere Bekannte lebt ausschließlich von der Vermittlung von US-Studienaufenthalten, eine dritte macht via Internet persönliche Diät- und Fitnessberatung. Viele Berufsmusiker sind virtuos aber nicht geschäftstüchtig. Musikagenturen nehmen in der Regel nur Stars oder vielversprechende Ensembles unter Vertrag. Doch bei der Vielzahl privater und von Firmen veranstalteter Feiern, Parties oder Marketing-Events gibt es doch auch Bedarf an Leuten, die ein paar Ränge unter den Philharmonikern rangieren. Wie wär es? Packen Sie das Berufsleben neu an. Stellen Sie statt der Frage "Wer gibt mir einen Job, der mich erfüllt?" die Frage: "Welche meiner Interessen, Fähigkeiten und Kontakte kann ich zum Nutzen anderer einsetzen?" und Sie werden mit Sicherheit Erfolg haben. Ein positives Jahr 2001 wünscht Ihnen, Johanna Buchtipps:
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