Wien - "Die Architekturwettbewerbe müssen klar und nachvollziehbar abgewickelt werden", fordert Christian Fink, Rechtsexperte der Wiener Architektenkammer. Der Knackpunkt, um seriöse Verfahren zu garantieren, sei daher die kompetente Besetzung der Jury. Derzeit stellen Sachpreisrichter, also Juroren, die nicht unbedingt vom Fach kommen, den stärkeren Anteil in den Gremien. "Das ist das falsche Verhältnis", so Michael Buchleitner, Vorsitzender der Wiener Architektenkammer, bei einer von STANDARD-Chefredakteur Gerfried Sperl moderierten Podiumsdiskussion im Twin-Tower am Donnerstagabend. "Die Zahl der Experten in der Jury muss überwiegen um die Qualität des Wettbewerbes zu sichern." Dieser Forderung nachzukommen hat die Stadt Wien allerdings bereits angedeutet. In der vergangenen Zeit gab es Wettbewerbsabläufe, die zu massiver Kritik geführt haben. Bei dem für zwei Tage angesetzten Wettbewerb zum Neubau einer Volksschule und eines Kindertagesheimes in der Katharinengasse im zehnten Wiener Bezirk beispielsweise, standen bereits am späten Nachmittag des ersten Tages die Sieger fest. Für die abgelehnten Projekte gab es keine Begründungen. Absolute Transparenz der Entscheidungsfindung bei Architekturwettbewerben sei aber nicht möglich, meint Peter Holzer von der Bundesimmobiliengesellschaft (BIG). "Man kann die emotionale Seite der Jury nicht in ein Punktesystem pressen", so Holzers Erfahrung, der gleichzeitig gegen Preisdumping der Architekten auftritt. "Wenn ich höre, dass einer fünf Prozent Honorar für die Generalplanung verlangt, dreht's mir den Magen um." Einzelne Bauherren vergeben die Aufträge aber nur bei Abschlägen von bis zu 30 Prozent von der Gebührenordnung. Das könne nur zulasten der Qualität gehen. Auf der anderen Seite müssten die Bauherren die Vorgaben so präzise gestalten, dass auch die Lösungen klar sind, meint der Architekt Albert Wimmer. Themenverfehlungen wären somit a priori ausgeschlossen. Außerdem sollten mehr Wettbewerbe veranstaltet werden, um das kreative Potenzial zu nützen. Damit verringere sich gleichzeitig die Zahl der Teilnehmer und die Jury hätte mehr Zeit für die einzelnen Vorschläge. (ee/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 23./24. 6. 2001)