Wien - Ein neues Medikament, dass Menschen mit Blutarmut (Anämie) auf eine angenehmere Behandlung hoffen lässt, ist jetzt auch in Österreich erhältlich. Bereits Anfang Juni erteilte die EU-Kommission dem amerikanischen Biotechnologieunternehmen Amgen für NESP (Handelsname: ARANESP) mit einem gentechnisch erzeugten und veränderten Blutwachstumshormon die Zulassung. Der große Vorteil des neuen Arzneimittels ist, dass nur mehr einmal wöchentlich oder alle zwei Wochen injiziert werden muss. Die bisher für die Behandlung von Blutarmut erhältlichen EPO-Präparate mussten drei Mal wöchentlich gespritzt werden. "NESP (Novel Erythropoiesis Stimulating Protein, Anm.) stellt somit einen entscheidenden Fortschritt in der Behandlung der renalen (nierenbedingten, Anm.) Anämie dar", erklärte Dr. Brad Maroni, Leiter der Produktentwicklung vom Amgen International, heute, Montag, bei der Präsentation des Medikaments am Rande des 38. Internationalen Kongresses der Europäischen Nephrologischen Gesellschaft in Wien. "NESP ist ein völlig neuartiges Molekül, das gezielt die Bildung roter Blutzellen ankurbelt", erklärte Univ. Prof. Dr. Iain C. Macdougall, Nephrologe am Kings College in London. Grund für die geringere Applikationshäufigkeit ist die verlängerte Halbwertszeit des Produkts, sagte auch der italienische Nierenfachmann Prof. Francesco Locatelli. Durch eine Veränderung des Proteins durch das künstliche Anhängen von Zuckermolekülen wirke das Medikament wesentlich länger. Auch Univ.-Prof. Dr. Walter H. Hörl, Leiter der Abteilung für Nephrologie an der Universitätsklinik Wien sagte: "Diese wissenschaftlichen Fortschritte auf diesem Gebiet tragen wesentlich zur Verbesserung und Diagnostik und Therapie von Nierenerkrankungen und zur Lebensqualität dieser Patienten bei." Denn bisher erhielten die Patienten bis zu 156 Spritzen pro Jahr, mit NESP könne diese Anzahl auf 26 bzw. 52 pro Jahr gesenkt werden. (APA)