Den Haag - Die Vereinigten Staaten werden auch in den nächsten zehn Jahren der weltweit größte Produzent von Kohlendioxid und damit maßgeblich für den Klimawandel verantwortlich sein. Dies geht aus einer Studie des World Resources Institute (WRI) hervor, die die US-Organisation am Dienstag im niederländischen Den Haag vorstellte. Die USA seien das Land mit dem größten Kohlendioxidausstoß weltweit - ganz gleich, ob die Verschmutzung historisch betrachtet, für die Zukunft hochgerechnet oder für jeden einzelnen US-Bürger ausgerechnet werde. "Die USA sollten ihren eigenen gewaltigen Ausstoß von Treibhausgasen drosseln, bevor sie Entwicklungsländer auffordern, mehr zu tun", sagte Kevin Baumert vom WRI. US-Präsident George W. Bush hatte im März das UN-Klimaprotokoll von Kyoto mit dem Argument abgelehnt, dass dieses nur Industriestaaten zum Abbau von Kohlendioxid (CO2) zwinge und Staaten wie China und Indien keine Verpflichtungen auferlege. Das WRI veröffentlichte den Bericht unmittelbar vor neuen informellen Verhandlungen über den Klimawandel am Mittwoch und Donnerstag in Den Haag und kritisierte darin ausdrücklich die Haltung der US-Regierung. "In den vergangenen hundert Jahren waren die Industriestaaten mit 20 Prozent der Weltbevölkerung für 60 Prozent der Kohlendioxid-Produktion verantwortlich, die zur Erwärmung der Erdoberfläche führt", heißt es darin. Größter Einzelverursacher seien die USA, die von 1900 bis 1999 für 30 Prozent der weltweiten CO2-Produktion verantwortlich zeichneten. China mit einem Fünftel der Weltbevölkerung habe in diesem Zeitraum mit sieben Prozent zur weltweiten CO2-Produktion beigetragen, Indien mit zwei Prozent. 1999 habe die durchschnittliche CO2-Produktion in den USA pro Kopf bei 5,6 Tonnen gelegen, 20 Mal höher als in Indien und zehn Mal höher als in China. "Trotz zunehmender CO2-Emissionen in Entwicklungsländern werden die USA in den nächsten zehn Jahren die Produktion dieser klimaverändernden Gase dominieren und jährlich 300 Millionen Tonnen Kohlenstoff herstellen", heißt es in dem Bericht. Auch Entwicklungsländer müssten langfristig etwas für die Reduzierung der Treibhausgase tun, betonte die WRI-Autorin Nancy Kete und nannte als Beispiel China. Die Volksrepublik habe dank eines beachtlichen Wandels in der Energiepolitik die Kohlendioxid-Emissionen von 1997 bis 1999 um 17 Prozent gemindert. (APA)