Luxemburg - Die Europäische Union hat nach den schweren Ausschreitungen in Skopje die Zusicherung erhalten, dass die mazedonische Regierung "vollständig Herr der Lage ist". Das erklärte im Namen der EU-Präsidentschaft die schwedische Außenministerin Anna Lindh am Dienstag in Luxemburg. Staatspräsident Boris Trajkovski werde noch im Laufe des Tages eine Botschaft an die Nation richten, gab Lindh bekannt. Die jüngsten Vereinbarungen zwischen der Regierung und den albanischen Rebellen der "Nationalen Befreiungsarmee" (UCK), die ihre Waffen behalten können, haben wütende Proteste slawischer Mazedonier hervorgerufen. Die EU hatte am Montag erstmals vor dem Risiko eines Bürgerkrieges in Mazedonien gewarnt. Die EU-Außenminister riefen in Luxemburg die politischen Parteien des Balkanlandes und die Albaner-Rebellen auf, schnell und entschlossen "weitere Gewalt und das Risiko eines Bürgerkrieges zu verhindern". Die EU entsendet den früheren französischen Verteidigungsminister Francois Leotard als Sonderbeauftragten nach Skopje. Mazedonische Armee beschießt Rebellengebiet Bei der Bekämpfung aufständischer Albaner hat die mazedonische Armee am Dienstag die Ortschaft Nikushtak beschossen, die im Rebellengebiet liegt. Aus einiger Entfernung war zu beobachten, wie Artilleriegranaten in Nikushtak einschlugen. Die Ortschaft liegt nur sechs Kilometer entfernt von Aracinovo, von wo am Montag eine Gruppe von Rebellen der "Nationalen Befreiungsarmee" (UCK) unter Aufsicht der NATO abziehen konnte. Dass die Aufständischen freies Geleit erhielten und ihre Waffen behalten konnten, hatte in der Hauptstadt Skopje Unruhen ausgelöst. Die schwedische Außenministerin und amtierende EU-Ratsvorsitzende Anna Lindh erklärte am Dienstag in Luxemburg zu den jüngsten Entwicklungen in Mazedonien: "Das ist nicht nur ein mazedonischer Konflikt, er hat auch größte internationale Bedeutung". Die EU unterstütze weiterhin Präsident Boris Trajkovski und die Regierung in Skopje. Lindh bekräftigte, zu einer politischen Lösung des Konflikts gebe es keine Alternative. Der neue Mazedonien-Beauftragte der EU, der frühere französische Verteidigungsminister Francois Leotard, traf am Dienstag in Luxemburg mit Lindh zusammen. Leotard werde seinen Posten in Skopje "sehr bald" antreten, sagte Lindh. Leotard soll den Dialog zwischen den slawischen und albanischen Bevölkerungsteilen in Gang halten und ihn zu einem politischen Abkommen führen. Ein Bus-Konvoi mit albanischen UCK-Rebellen hat am Dienstagmorgen die Ortschaft Aracinovo nordöstlich von Skopje in unbekannte Richtung verlassen. Der Konvoi benützte eine Ausweichstraße, um den Ort zu verlassen, weil slawo-mazedonische Zivilisten die Straße in Richtung Kumanovo blockiert halten, wie aus Polizeiquellen bekannt wurde. Der Konvoi wird von Fahrzeugen der Kosovo-Friedenstruppe KFOR und der NATO begleitet. Aus Aracinovo sind insgesamt 600 Albaner evakuiert worden, wie KFOR-Sprecher Barry Johnson mitteilte. (APA/Reuters)