Wien - In der rund 3.000-köpfigen Belegschaft der insolvenzbedrohten Buch- und Medienhandelskette Libro/Amadeus ist die Stimmung auf einem Tiefpunkt angelangt. Als wären die unmittelbaren Sorgen um den Job nicht genug, erfahren Mitarbeiter in Filialen von Kunden derzeit auch einiges an Häme: Der Betriebsrat beklagte am Dienstag, dass vor allem Mitarbeiter an Standorten in Ballungszentren mit Sätzen wie "Mit dem Produkt warte ich lieber, bis es 50 Prozent billiger ist" oder "Morgen gibts euch eh nimmer" konfrontiert würden, was die Stimmung in der Verkaufsbelegschaft weiter verschlechtere. Der Betriebsrat drängte alle Beteiligten auf eine rasche Entscheidung: "Mit jedem Tag werden die Mitarbeiter mehr verunsichert. Uns ist die politische Farbe der künftigen Eigner egal, es geht uns um den Erhalt der Arbeitsplätze", sagte Libro-Betriebsrat Werner Kratochwil. Informationssite Damit die Libro-Mitarbeiter laufend über die aktuellen Entwicklungen informiert werden, werde ab Mittwoch früh eine interne Homepage freigeschaltet, in die laufend Medienberichte über Libro hineingestellt würden. Per Ende Mai 2001 betrieb die Libro-Gruppe in Österreich 30 Amadeus- und 269 Libro-Filialen. Dazu kamen noch 18 Libro-Filialen in Deutschland. Schon vor der Zuspitzung der Lage in Richtung Zahlungsunfähigkeit hatte ein Sanierungskonzept die Schließung diverser unrentabler Standorte vorgesehen. Konkurrenten wittern Geschäft Die Stimmung gedrückt hat auch, dass Konkurrenten bereits zusätzliches Geschäft mit Büchern, Schreibwaren und Schulbedarf wittern. Am Dienstag war von "makabren" Schreiben von Mitbewerbern die Rede, wonach nicht nur "der Markt genau beobachtet" werde: Vereinzelt sollen Mitbewerber bereits vorangekündigt haben, dass zur Eindeckung für den herbstlichen Bedarf an Schulartikeln größere Kontingente gebraucht würden, "weil es Libro dann ja nicht mehr gibt". (APA)