Frankfurt/Wien - Des akademischen Amerikas liebste Gitarrenpop-Band Weezer meldete sich nach einer fast fünf Jahre dauernden Pause, bedingt durch eine schwere orthopädische Krankheit ihres Leadsängers, mit dem "Green Album" (Universal) in alter Frische zurück. Mit seiner schwarzen Brille, den zersausten Haaren und seinem eher schüchternem Auftreten ähnelt Rivers Cuomo, Kopf der US-Rockband, ein wenig der Rock'n'Roll-Legende Buddy Holly. Und genau mit der Textzeile "I look just like Buddy Holly" wurden Weezer 1994 schlagartig berühmt: Der ironisch vorgetragene Collegerock des "Blue Albums" der vier Kalifornier traf genau den Nerv der Jugend, die Mitte der Neunziger vom ernsten Protestgestus der Grunge-Bands gesättigt war. Auf nur knapp 29 Minuten Gesamtspielzeit liefern Weezer mit der aktuellen CD leicht schrägen Gitarrenrock mit packenden Melodien, der spontan zum Mitsummen verführt. Songs wie "Don't Let Go" und "Photograph" scheuen sich nicht, mit Gewinn auf in Rockkreisen eher verpönte Stilmittel wie Handclaps und "Uh-Ah-Uh"-Choräle zurückzugreifen. Dennoch wirkt Weezers Garagenrock nie peinlich, weil Selbstzweifler Cuomo wieder alles bis zur Perfektion durchdacht hat. Pop noch für länger Iggy Pop, Großvater des Punks, hat schon einiges durchgestanden: Drogensucht, finanziellen Ruin und künstlerische Bedeutungslosigkeit. Mit seiner CD "Avenue B" konnte der 54-Jährige zuletzt die Kritiker zu Lobeshymnen hinreißen. Nun erschien "Beat Em Up" (Virgin), das insgesamt 20. Album der Rocklegende. Und Pop klingt darauf vital wie ein Junger. Keinem anderen würde man einen Song wie "Mask" auf dem aktuellen Opus durchgehen lassen. Zu oft hat man diese rauen, schnellen Lieder im Scheppersound in den vergangenen 30 Jahren gehört. Doch Pop darf das, denn schließlich hat er diese Musikrichtung geschaffen. Iggy gibt sich wieder hart, erfrischend und kompromisslos. Einziger Wermutstropfen des gelungenen Werkes: Bassist Lloyd "Mooseman" Roberts wurde im vergangenen Winter nach den Aufnahmen ermordet. Aus einem vorbeifahrenden Auto wurden Schüssen auf ihn abgefeuert. Von den Stooges bis "It's shit" James Newell Osterberg wurde als Sohn eines Lehrer-Ehepaars am 21. April 1947 in Ann Arbor im US-Bundesstaat Michigan geboren. Zum Namen Iggy wurde er angeblich von seiner ersten Band Iguanas inspiriert. Für Pop soll der in Ann Arbor bekannte Drogensüchtige Jim Popp Pate gestanden haben. 1967 gründete Iggy die Stooges, die 1969 unter Produzent John Cale (Velvet Underground) ihre erste Platte aufnahmen. Aggressiv und musikalisch minimalistisch zelebrierte das Quartett eine Hardcore-Rockmesse, bei der sich Pop gerne den nackten Oberkörper mit Glasscherben verletzte und anschließend Erdnussbutter und Dreck in die Wunden schmierte - oft belächelt und wenig ernst genommen. 1974 waren die Stooges nach zahlreichen Drogenexzessen am Ende. Jahrelang litt Pop unter seiner Sucht, verbrachte einige Zeit in Krankenhäusern, Drogensanatorien und der Psychiatrie. Musikalisch wie kommerziell waren die Produktionen der zehn Jahre nach dem Stooges-Split dürftig - Ausnahme: "The Idiot" mit dem späteren David-Bowie-Hit "China Girl" und "Lust for Live" mit dem Klassiker "The Passenger". Freund David Bowie, der beide Alben unüberhörbar produziert hatte, half ihm mehrfach auf die Beine. Erst 1986 erreichte Pop mit der Single "Real Wild Child" dann eigenständig größeren kommerziellen Erfolg. Trotz Krach und Klamauk - "Beat Em Up" enthält mit "Weasels", "Jerk" oder "Football" ein paar richtig feine Rocksongs. Auch textlich verfällt Pop nicht auf Altersweisheiten. Seine Botschaften sind plakativ: Er hasst Amerika, Rücksichtslosigkeit und Gerichte, die mit Käse überbacken werden. "If it looks like shit, sounds like shit, it must be shit" heißt es im Song "It's shit". So einfach ist die Welt. (APA/AP)