Wien - Es tut wohl, in einem Jazzfest-Kalender, aus dem dieses Jahr Pop-Acts wie Tricky (1. Juli, Volksgarten) und Patti Smith (Staatsoper, 4. Juli) als Höhepunkte herausragen, doch auch Kontrapunkte auszumachen. Im RadioKulturhaus fiel diese Aufgabe des widerborstigen Stachels im Stammgästen verpflichteten Programm-Fleisch (3. Juli: Chick Corea, Staatsoper; Herbie Hancock, für 6. Juli vorgesehen, sagte ab) etwa Franz Hautzinger zu. Er stellte sein Bent II Quintett vor, eine experimentelle Eingemeindung seiner Trompetensounds, die er gewöhnlich nur in Soloperformances auszuarbeiten pflegt, in einen Ensemblekontext. Das vibrierende Blubbern, die obertonreichen Mundstückgeräusche, die sinistren Klänge aus dem Horn, aus dem man üblicherweise Strahlkraft zu vernehmen gewöhnt ist, sie gliederten sich ein in organische Spannungsbögen beschreibende Soundscapes von verblüffender Farbenpracht. Klänge aus dem Flügelinneren, sirrende Bassklarinetten-Überblastöne (Gene Coleman) und sensible wie disziplinierte Beiträge von Violine (Hans Burgener) und Schlagzeug (Steve Noble) ergaben kollektive Soundgefüge von metallischem Glanz und fragiler Balance. Elektronische Musik, akustisch realisiert. Und deshalb von exzeptioneller Wirkung. Es tat auch wohl, eine unbekannte Band zu hören: Das Zürcher Trio Der nackte Bote spielte indes weder nackt noch anderweitig aufsehenerregend. Sondern vor allem grundsolide - dank breitem historischem Background zwischen komponierten Strukturen und freier Interaktion changierend. Alles stimmte, und doch fehlte das gewisse Etwas. Anders das Newcomer-Trio Kmet/Koch/ Bekic. Es arbeitete in minimalistischer Konsequenz jeweils separate Materialpartikel aus. Wer Minimalismus schätzt, dem sei Maceo Parker (2. Juli, Sofiensäle) ans Herz gelegt. Der ehemalige Angestellte von James Brown ist ein Saxophon-Sänger der smart-sparsamen Sorte. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 29. 6. 2001)