Berlin/Wien - Das Verfahren gegen den Milliardenbetrüger Alexander Thom alias Alejandro Hom-Rusch in Berlin ist überraschend eingestellt worden. Wie der ORF am Freitag im Ö1-Morgenjournal berichtete, haben deutsche Richter beschlossen, das Verfahren einzustellen, da "keine wesentlich höhere Strafe zu erwarten" sei. Hom-Rusch war Mitte Mai wurde zu fünf Jahren Gefängnis mit gleichzeitiger Haftverschonung verurteilt worden. Nach deutschem Recht, so der ORF, liege es in einem solchen Fall im Ermessen des Richters, das Verfahren einzustellen. Aus Berliner Justizkreisen verlautete, man halte ohnehin den ehemaligen Vorstandsvorsitzenden der Bank Burgenland AG, Ernst Gassner, für den Haupttäter. "Freigänger" Als mildernder Umstand sei zudem Hom-Ruschs Zusammenarbeit mit der Justiz gewertet worden, hieß es. Der verurteilte Milliardenbetrüger kann seine Strafe nun als "Freigänger" abbüßen, er muss nur die Nächte im Gefängnis verbringen. Bei guter Führung könnte er schon nach zwei Jahren wieder ein freier Mann sein. Von den zwei Milliarden Schilling, um die die Bank Burgenland betrogen wurde, fehlt weiter jede Spur. Die Bank Burgenland rechnet auch nicht mehr mit dem Geld. Nach Entscheidung sind burgenländischer Justiz die Hände gebunden Nach der Entscheidung der deutschen Behörden, das Verfahren gegen Walter Alexander Thom alias Alejandro Hom-Rusch einzustellen, sind der burgenländischen Justiz in der Causa praktisch die Hände gebunden: Der gesamte Komplex sei von den deutschen Strafverfolgungsbehörden übernommen worden, eine weitere Verfolgung sei deshalb beim derzeitigen Stand nicht möglich, sagte Dr. Karl Mitterhöfer, Pressesprecher am Landesgericht Eisenstadt. "Nachdem die Verfolgungsübernahme in diesem Komplex durchgeführt worden ist, ist es uns eigentlich verwehrt, zu ermitteln, und das werden wir auch nicht tun", sagte der Richter, der sich von der Berliner Entscheidung überrascht zeigte: "Wir haben es selbst erst aus den Medien erfahren, wir hatten keine Vorinformation." Die Einstellung des Verfahrens wolle er nicht kommentieren. Spekualtion An die deutschen Justizbehörden seien in der Causa sehr umfangreiche Unterlagen übermittelt worden, für sie sei bezüglich der Aussagen Gassners zu Hom-Rusch in dessen Prozess "voller Informationsstand" gegeben, so Mitterhöfer. Ob es zu einer Anklage gekommen wäre, wäre der Fall im Burgenland geblieben, sei "reine Spekulation." Hom-Rusch könnte erst dann neuerlich belangt werden, wenn in der Angelegenheit etwas "völlig Neues" auftauche: "Man kann einen Sachverhalt nicht doppelt beurteilen. Das würde eklatant gegen sämtliche Grundsätze eines fairen Verfahrens verstoßen." Der österreichischen Justiz sei es diesbezüglich auch verwehrt, Verfolgungshandlungen zu setzen. Ein "offener Vollzug", wie er bei Hom-Rusch praktiziert wird, sei bei einem Wirtschaftshäftling in Österreich "im Prinzip denkbar, aber eher unüblich", so der Richter. Gelockerter Vollzug sei möglich, aber nicht zu Beginn, sondern erst gegen Ende der Straftzeit, um den Häftling wieder auf die Freiheit vorzubereiten. Knapp reagierte der ehemalige FPÖ-Klubobmann Wolgang Rauter, der im vergangenen Sommer den Bank-Burgenland-Untersuchungsausschuss des burgenländischen Landtages geleitet hatte und mittlerweile wieder in seinen Beruf als Richter am Landesgericht Eisenstadt zurückgekehrt ist, auf die Entscheidung der Berliner Justiz: "Kein Kommentar." Er habe es sich zur Regel gemacht, Angelegenheiten, die ins Politische hineinreichten, nicht mehr zu kommentieren: "Ich müsste mich über manche Dinge dann so alterieren, das macht keinen Sinn." (APA)