Weil die Maschine überbucht ist, heißt es warten, im günstigsten Fall auf den nächsten Flug noch am selben Tag, widrigenfalls aber auch viel länger. Zehntausenden von Passagieren passiert das jedes Jahr. Durch den ständig größer werdenden Konkurrenzdruck sind praktisch alle Fluggesellschaften bestrebt, möglichst viele Sitze zu füllen. Da erfahrungsgemäß nie alle Passagiere, die einen Flug reserviert haben, kommen, nehmen die Fluggesellschaften mehr Reservierungen an, als es Plätze im Flugzeug gibt. Meistens geht das gut. Manchmal nicht. Bei der AUA sind es Eigenangaben zufolge von 10.000 Passagieren rund fünf, die nicht mitgenommen werden können. Der entsprechende inoffizielle Wert anderer europäischer Fluggesellschaften liegt bei 15 bis 20 Passagieren. Weniger Hemmungen haben amerikanische Airlines: Dort bleiben von 10.000 Kunden durchschnittlich 20 bis 36 am Gate stehen. "Die Amerikaner sehen im Flugzeug ein Transportmittel wie jedes andere", weiß Norbert Draskovits vom Österreichischen Verkehrsbüro. "Deshalb wird dort auch wesentlich mehr überbucht als bei europäischen Airlines." Erfahrungsgemäß die höchsten Ausfälle an Passagieren, die man durch Überbuchung zu kompensieren sucht, hat die AUA im Sommer auf der Nordatlantik-Route. "Nach Indien haben wir das ganze Jahr über Probleme mit Fluggästen, die trotz Reservierung nicht kommen", sagt Manfred Hahn, der bei der AUA für die optimale Auslastung der Flugzeuge zuständig ist. Von gebuchten Flügen fern bleiben in erster Linie Geschäftsreisende, die in der Regel Business Class fliegen. Im Gegensatz zu den günstigen PEX-Tarifen sind die teureren Tickets bis zu zwölf Monate nach Ausstellungsdatum gültig. Wie viele Sitze auf welchen Flügen doppelt vergeben werden, wird anhand von Erfahrungswerten exakt errechnet und immer wieder abgeglichen. Allein bei der AUA wären im Vorjahr 550.000 Sitze leer geblieben, was sich auf einen Umsatzverlust von mehr als einer Milliarde Schilling summiert hätte. "Überbuchen ist eine Überlebensfrage für uns", sagt Hahn. Wenn dann doch mehr Passagiere kommen, als es Plätze gibt, wird nach Freiwilligen gesucht, die bereit sind, zu einem späteren Zeitpunkt zu fliegen. Als Entschädigung gibt es bares Geld. Bei Kurzflügen (bis 3500 km) in Europa erhalten Opfer von Überbuchungen 1040 Schilling in Cash oder Gutscheine über 1560 Schilling, sofern die Verspätung am Ankunftsort weniger als zwei Stunden beträgt. Bei größeren Verspätungen gibt es 2080 Schilling in bar oder 3100 Schilling als Voucher. Die Entschädigung klettert auf 4160 Schilling in Cash bei Langstreckenflügen, wenn die Verspätung am Zielflughafen mehr als vier Stunden beträgt. Alternativ dazu gibt es Gutscheine im Wert von 6200 Schilling. Damit können auch Duty-Free-Waren an Bord der AUA gekauft werden. Zusätzlich zu diesen europaweit geltenden Garantiebeträgen muss die Fluggesellschaft kostenfrei für angemessene Mahlzeiten, Erfrischungen und erforderliche Hotelübernachtungen sorgen. Wer sich das alles ersparen möchte, sollte möglichst rechtzeitig am Flughafen einchecken, rät Hahn. "Wer eine Sitzplatznummer hat, kommt auf jeden Fall mit." stro