Paris - "Salzburg lebt in einer Blase, außerhalb der realen Welt. Es ist eine Art Disneyland, wo man keine wirklichen Experimente durchführen kann", erklärte der seit 1990 amtierende Intendant der Salzburger Festspiele, Gerard Mortier, in einem Interview mit dem französischen Magazin "L'Express" anlässlich des Starts in seine letzte Saison (Ende dieses Sommers wird er von Peter Ruzicka abgelöst). In dem dreiseitigen, auch online nachlesbaren Interview zieht Mortier eine negative Bilanz seiner zehnjährigen Arbeit und bedauert, dass es ihm nicht gelungen sei, das Festival zu modernisieren und ein neues Publikum zu erobern. "Der Altersdurchschnitt ist zwar von 65 auf 57 Jahren gefallen. Doch ich bin jetzt davon überzeugt, dass man hier kein junges Publikum an die Oper heranführen kann". Gegen ein konservatives Publikum hätte er prinzipiell nichts, nur dürfe es nicht seinen Spielplan beeinflussen. Mortier sieht seinem Abschied mit Erleichterung entgegen. "Ich bin glücklich, diese Erfahrung gemacht zu haben, aber auch glücklich, nach zehn Jahren Stress etwas entspannter leben zu können." Nun will er erstmal ein Jahr Pause in Berlin einlegen, bevor er mit den Vorbereitungen zum Ruhrfestival beginnt, dem er mit Freude entgegensieht, denn dort habe er ein hervorragendes Publikum, offen und nicht blasiert. (APA/dpa)