Seit Monaten bekämpft die ORF-Führung die Donnerstag beschlossene Reform, mit der die öffentlich-rechtliche Anstalt in eine Stiftung umgewandelt wird. Die Liste ihrer Kritikpunkte ist weiter lang. Kritisiert werden etwa Einschränkungen des Unternehmensgegenstands auf Rundfunk, damit in Zusammenhang stehende Online- und Teletextdienste sowie dafür "gebotene" Geschäfte. Ebenso, dass Veträge mit anderen Unternehmen wie etwa Printmedien deren Mitbewerber nicht diskriminieren dürfen. Und dass der ORF Radio Österreich International nur noch senden kann, aber nicht muss. In der "Programmfreiheit eingeschränkt" sieht sich der ORF weiterhin, weil "in der Regel" im Hauptabend "anspruchsvolle Programme zur Wahl stehen" müssen. Vermisst werden Finanzierungsmöglichkeiten für zusätzliche Aufträge, Services für Volksgruppen und Gehörlose anzubieten. Genügend Geld sieht der ORF auch für Spartenkanäle nicht, die laut Gesetz ohne Gebührengeld auskommen müssen. Strenger formulierte Werberegeln sind ein weites Feld für Kritik, auch wenn sich an 42 Minuten klassischer Werbezeit pro Tag und Programm nichts ändert. Etwa das Verbot von Werbevermarktung für andere Unternehmen (wie etwa bei Ö3 plus für Privatradios), die Einrechnung von Ringwerbung mehrerer Bundesländerprogramme in regionale Werbezeit eines Lan_desstudios, die Begrenzung der Werbezeit für Printmedien im Fernsehen auf zwei Minuten pro Woche. Letztgenanntes eine Maßnahme, um Wettbewerbsverzerrung zugunsten überregionaler, bereits marktbeherrschender Titel wie Krone und Magazinen der News- Gruppe zumindest einzudämmen. Verboten wird auch "Cross Promotion", also etwa Werbung für Ö3 im TV außerhalb der regulären Werbezeiten. Kritisiert wird weiterhin auch das weitgehende Verbot von Unterbrecherwerbung, Ausnahmen sind Ereignisse mit "natürlichen", nicht vom ORF bestimmten Pausen wie im Sport oder bei Kulturübertragungen. Den Küniglberg stören zudem die "äußerst detaillierte" Berichtspflicht an das Parlament und die umfangreicheren Kontrollrechte des Stiftungsrats. Die tatsächlichen Kosten der Direktwahl von Publikumsräten, ebenfalls ein Kritikpunkt, sollen bei einer Sondersitzung des ORF-Kuratoriums am 20. Juli etwas näher definiert werden. (fid/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 6.7.2001)