Hongkong - In China sind in den vergangenen drei Monaten 1.781 Menschen hingerichtet worden - mehr als im Rest der Welt in den vergangenen drei Jahren. Die tatsächliche Zahl der Häftlinge, an denen in China die Todesstrafe vollstreckt wurde, liege noch viel höher, erklärte am Freitag in Hongkong die Menschenrechtsorganisation Amnesty international (ai). Denn nur über einen Bruchteil der Todesurteile und Hinrichtungen werde auch in den chinesischen Medien berichtet. Statistiken über Hinrichtungen blieben Staatsgeheimnis. ai forderte die chinesische Führung auf, ihre "gefühllose und kontraproduktive Politik durch humane Bestrafungen zu ersetzen". Immer neue Kampagnen gegen das Verbrechen würden dies nicht effektiv bekämpfen. In China droht die Todesstrafe nicht nur bei Kapitalverbrechen, sondern auch bei Bestechung, Zuhälterei, Steuerbetrug, Benzindiebstahl oder Verkauf von gesundheitsschädlichen Lebensmitteln. Auch viele Drogenvergehen werden mit dem Tod geahndet. Hinrichtungen werden oft nach Schauprozessen vollstreckt, bei denen tausende Zuschauer zugegen sind - nach Angaben von ai etwa in Sportstadien oder auf Marktplätzen. Oft werden die Todeskandidaten auch durch die Straßen zum Hinrichtungsplatz geführt. Auch gerade Festgenommene oder zum Arbeitslager Verurteilte würden derart vorgeführt. Polizisten und Staatsanwälte in China haben nach Angaben von ai Anweisung, rasch Resultate zu erzielen und sich nicht mit "Einzelheiten" aufzuhalten. (APA)