Vechta - Federmilben geben Aufschluss über die Verwandtschaftsbeziehungen der von ihnen besiedelten Vogelarten. Das hat ein internationales Forscherteam bei Untersuchungen an der Universität Vechta entdeckt. Anhand morphologischer Daten hatten sie zunächst am Computer die Verwandtschaftsbeziehungen verschiedener Federmilbenarten analysiert und "Stammbäume" erhalten, die die Entwicklungslinien der nur 0,5 Millimeter kleinen Spinnentiere widerspiegelten. Die Befunde wurden mit den Familienverhältnissen der besiedelten Vogelarten verglichen. Dabei besteht eine sehr ausgeprägte, artspezifische Bindung der Milben zu "ihren" Vögeln – beinahe jede Vogelart wird von einer charakteristischen Milbenart bewohnt. Die Spinnentiere sind extrem an das Leben auf den Vogelfedern angepasst. Sie ernähren sich vom Öl aus der Bürzeldrüse und von den Bakterien, die sich im Gefieder entwickeln und die Ölschicht zerfressen. Sie müssen sich zudem ohne große Probleme durch das Gefieder bewegen und anklammern können, damit sie beim Tauchen oder Fliegen nicht losgerissen werden. Die Übertragung der Federmilben erfolgt im Nest von den Altvögeln auf die Jungen oder bei der Begattung. Bei zahlreichen Großgruppen unter den Vögeln, etwa bei den Watvögeln - die Strandläufer, Kampfläufer, Uferschnepfen, Große Brachvögel und Bekassine -, sind die verwandtschaftlichen Beziehungen noch immer nicht mit Sicherheit nachgewiesen. Mit Hilfe der Federmilben lassen sie sich nun jedoch ganz neu bewerten. Zumal die Wissenschaftler für ihre Forschungen sogar solches Material verwenden können, das verhältnismäßig alt ist. Noch auf über 120 Jahre alten Vogelbälgen aus Museen der ganzen Welt finden sich mumifizierte Milben. Selbst auf ausgestorbenen Vogelarten können sie entdeckt werden. Seit 1992 haben die Wissenschaftler mehr als 40 bislang unbekannte Milbenarten gefunden. Jede neu beschriebene Art wird dabei durch ein bestimmtes Individuum belegt (Holotypus), das die Grundlage für eine neue Beschreibung nach den Regeln der Internationalen Nomenklaturkommission darstellt und als Beleg sowie zu Vergleichszwecken in speziellen Sammlungen aufbewahrt wird. Die von den Wissenschaftlern in Vechta entdeckten Milben lagern in Museen in Hamburg, München, Posen, St. Petersburg, Michigan, Washington und New York.(pte)