Hamburg/Berlin - Der Straßburger Europarat hat seine pauschalen Rassismus-Vorwürfe gegenüber Deutschland zurückgenommen. Der "Welt am Sonntag" sagte der stellvertretende Generalsekretär des Europarates, Hans Christian Krüger: "Die Bundesrepublik tut sehr viel, um Rassismus und Antisemitismus zu bekämpfen. Man kann wahrlich nicht sagen, dass die Deutschen die Hände in den Schoß legen." Die Rassismus-Kommission des Europarates habe "das in der Öffentlichkeit nicht deutlich genug zum Ausdruck gebracht". Ein Sprecher des deutschen Innenministeriums zeigte sich mit der Präzisierung Krügers zufrieden. Damit sei der Hauptvorwurf in dem Bericht, in Deutschland müssten Politik und Gesellschaft das Phänomen erst noch zur Kenntnis nehmen, aus der Welt. Im Gegenteil habe man das Problem erkannt und setze sich auf verschiedenen Ebenen intensiv damit auseinander. Die Kritik habe "natürlich zu Verletzungen geführt", meinte Krüger weiter. "Doch nicht jedes Wort kann als Urteil gewertet werden", argumentierte der Vize-Generalsekretär. Er gab aber zu bedenken: "Wie soll man die Debatte besser anregen, als mit einem etwas überspitzten Bericht." Andererseits seien auch Länder wie die Niederlande, Österreich, Kroatien, Zypern, Dänemark, Russland, Mazedonien, die Türkei und Großbritannien wegen rassistischer Tendenzen kritisiert worden. Der deutsche Innenminister Otto Schily (SPD) war sehr verärgert über die Kritik des Europarates an der deutschen Ausländerpolitik. Der Sprecher wies allerdings die Darstellung des Hamburger Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" zurück, Schily habe darüber nachgedacht, deutsche Zuschüsse an den Europarat zu streichen, um so dessen Rassismus-Kommission zu treffen. Die Kommission hatte in der vergangenen Woche einen Bericht veröffentlicht, in dem Deutschland Versagen bei der Bekämpfung des Rassismus und mangelnde Akzeptanz von Fremden vorgeworfen wird. Um so ärgerlicher werde die Kritik empfunden, als die Kurden-Frage in einem gleichzeitig veröffentlichten Bericht über die Lage in der Türkei milder bewertet worden sei als der in Deutschland festgestellte Rassismus. In Berlin wird laut "Spiegel" beklagt, dass die Bewertungsmaßstäbe in der Kommission, die aus jedem Land mit einer Person von "hoher moralischer Autorität" besetzt ist, keineswegs einheitlich seien. (APA/dpa)