Mainz/Berlin - Der deutsche Arbeitsminister Walter Riester hat die Konjunkturlage in Deutschland als ernst bezeichnet. Dennoch rechne er weiterhin mit einer Reduzierung der Arbeitslosenzahlen auf 3,5 Millionen im kommenden Jahr, sagte der SPD-Politiker am Dienstag im ZDF-Morgenmagazin. Die Bundesregierung werde aktiv daran arbeiten, dieses Ziel zu erreichen. Riester verwies auf das so genannte "Job-Aktiv-Gesetz", das unmittelbar nach der Sommerpause in den Bundestag eingebracht werden solle. Dieses Gesetz werde zu einer schnelleren Arbeitsvermittlung führen. Der Vermittlungsprozess solle künftig möglichst schon vor dem Beginn der Arbeitslosigkeit beginnen. Wenn ein Beschäftigter erfahre, dass er seinen Job verlieren werde, werde das Arbeitsamt sofort einen Überbrückungs- und Wiedereingliederungsplan für ihn erstellen. 1,25 Prozent Wachstum Zu den jüngsten Konjunkturprognosen der Wirtschaftsinstitute äußerte sich Riester zurückhaltend. Man könne sich manchmal nur wundern, was für Prognosen da abgegeben würden. Fakt sei, dass es im ersten Quartal ein Wachstum von 1,6 Prozent gegeben habe. Der Internationale Währungsfonds (IWF) setzt sich unterdessen an die Spitze der Konjunkturskeptiker für Deutschland. So wird nur noch mit einem deutschen Wirtschaftswachstum von 1,25 Prozent in diesem und 2,0 Prozent im nächsten Jahr gerechnet, heißt es in dem am Montagabend bekannt gewordenen Abschlussbericht. So rechnet der Fonds erst für das vierte Quartal mit einer konjunkturellen Erholung. Dabei setzt er auf eine Abschwächung der Inflationsrate und vermehrte Ausgaben der Verbraucher in Folge der Anfang des Jahres in Kraft getretenen Steuerreform. Bundesregierung glaubt an 2,0 Prozent Die deutsche Bundesregierung hält dagegen ihre zuletzt revidierten Konjunkturzahlen hoch, wie das Finanzministerium in seinem Kommentar deutlich machte. "Die Bundesregierung hält bei entsprechender wirtschaftlicher Erholung in der zweiten Jahreshälfte und einer weiteren Verbesserung der Situation weiterhin einen realen Anstieg des Bruttoinlandsproduktes von rund 2,0 Prozent in diesem Jahr und rund 2,25 Prozent im kommenden Jahr für möglich. Auch unsere Defizitziele bleiben aus heutiger Sicht unverändert." Nach Vorliegen der entsprechenden Daten der Wirtschaftsinstitute werde die Regierung turnusgemäß für die Steuerschätzung im November "eine Aktualisierung ihrer Prognosen vornehmen." Der IWF führt zur Begründung für die Verlangsamung der globalen Nachfrage vor allem die erhöhten Energiepreise an. Offenbar hätten die Konsumenten die Steuersenkungen dieses Jahres wegen erhöhter wirtschaftlicher Unsicherheiten bisher eingespart. (APA/AP/dpa)