Straßburg/Linz - Einen aus der Sicht der Grünen entscheidenden Schritt in Richtung Verhinderung des umstrittenen AKW Temelin hat der außenpolitische Ausschuss des Europäischen Parlaments am Montag gesetzt: Laut Mitteilung der deutschen Grün-Abgeordneten Elisabeth Schroedter habe der Ausschuss beim "Bericht über den Antrag der Tschechischen Republik auf Beitritt in der Europäischen Union" zwei wichtige "Temelin-Ergänzungen" der Grünen angenommen. Die erste Ergänzung sehe vor, so Schroedter, dass nach dem Willen des EU-Ausschusses auch die so genannte "Null-Option" - also die Nicht-Inbetriebnahme - von Temelin geprüft werden müsse, "insbesondere, da weiterhin Probleme ans Tageslicht kommen, die Mängel an der bestehenden Konstruktion der nuklearen und nichtnuklearen Teile des Kernkraftwerks betreffen". Die zweite Ergänzung fordert die Untersuchung der Frage, ob Tschechien das AKW Temelin im Fall einer Nicht-Inbetriebnahme als so genanntes "stranded investment" abschreiben kann, womit entsprechende Gelder der EU für die Stilllegung bereitgestellt würden. In diesem Zusammenhang soll es auch eine "internationale Konferenz" über Ausstiegsmöglichkeiten und Ausstiegskosten aus dem Temelin-Projekt geben, sieht die im Ausschuss angenommene Ergänzung vor. Der Klubobmann der Grünen im oberösterreichischen Landtag, Rudi Anschober, sprach am Dienstag von einem "wichtigen Durchbruch gegen Temelin", da es dem Europaparlament "erstmals nicht mehr nur um Nachrüstung, sondern um konkrete Stilllegungsinitiativen" gehe. Ein Weg, der in dieser Form seinen Ausgang von Oberösterreich genommen habe, wo er, Anschober, bereits im heurigen Juni eine "europäische Stilllegungsinitiative" gefordert habe. Anschober: "Auch für die österreichische Bundesregierung ist es jetzt allerhöchste Zeit, das Niveau des Europaparlaments zu erreichen und eine umfassende Stilllegungsinitiative zu starten". Die beiden Abänderungsanträge im Wortlaut "... erinnert daran, dass die Null-Option geprüft werden muss, insbesondere da weiterhin Probleme ans Tageslicht kommen, die Mängel an der bestehenden Konstruktion der nuklearen und nichtnuklearen Teile des Kernkraftwerks Temelin betreffen." "... fordert die Kommission auf, die Frage der Abschreibbarkeit von Teilen von Temelin als 'stranded investment' im Fall eines Verzichts auf Temelin zu untersuchen (z.B. Ermöglichung eines Netzzuschlages für einen befristeten Zeitraum und damit wirtschaftliche Erleichterung eines Ausstiegs aus Temelin), sowie eine internationale Konferenz einzuberufen, um über Ausstiegsmöglichkeiten und Ausstiegskosten, sowie über die Möglichkeit eines internationalen Ausstiegsangebots für Tschechien zu beraten."