Graz - Größe verschafft nicht unbedingt Aufmerksamkeit. Im Fall von Bollywood, der indischen Filmindustrie, die - was die Summe an jährlichen Filmproduktionen (um die 900!) betrifft - den globalen Riesen Hollywood noch überflügelt, trifft das jedenfalls zu: Nur wenige Filme, wie etwa die Arbeiten von Mira Nair (Saalam Bombay! ), finden im Westen größere Resonanz. Durch ihre überwiegend kommerzielle Ausrichtung bleiben sie zudem aus dem internationalen Festivalzirkus weitgehend ausgeschlossen. Die Veranstaltung Bollywood, die sich im Grazer Forum Stadtpark von 13. bis 15. Juli diesem Thema mit einer Auswahl an Filmen, einer Performance sowie mehreren Vorträgen annimmt, leistet insofern wertvolle Aufklärungsarbeit. Am Freitag referiert der indische Filmwissenschafter Ranjani Mazumdar zuerst über die Wandlung des Topos der Stadt im "Bombay Cinema", danach wird mit Mani Ratnams Bombay (1994) ein Film gezeigt, der durch seine Durchdringung eines Melodrams mit politischer Zeitgeschichte auch auf westlichen Festivals Beachtung fand. Am Samstag folgt neben einer weiteren Arbeit von Ratnam einer der größten Erfolge des jüngeren indischen Kinos, Silsila/The Affair (1981) von Yash Chopra - ein tabubrechendes, tragisches Liebesepos, Ohrwürmer inklusive. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 13. 7. 2001)