London - Medikamente gegen Pilzinfektionen könnten auch zur Bekämpfung von Tuberkulose (TB) herangezogen werden. Forscher der University of Wales in Aberystwyth haben eine genetische Ähnlichkeit zwischen Tuberkulose-Bakterien und Pilzen entdeckt. Der Zusammenhang ist von besonderer Bedeutung, da das Bakterium gegenüber herkömmlichen Medikamenten bereits verstärkt Resistenzen entwickelt. Jährlich sterben rund zwei Millionen Menschen an TB. In Gebieten, in denen auch Aids weitverbreitet ist, steigt die Zahl kontinuierlich an. Die Grundlage bildete ein internationales Forschungsprojekt zur Sequenzierung des Tuberkulose-Genoms. Bei der Untersuchung des Genoms entdeckten die Wissenschaftler, dass Tuberkulose-Bakterien Gene enthalten, die auch in einigen Pilzarten, die den Menschen befallen, vorkommen. Es existieren bereits pilzabtötende Medikamente, so genannte Azole, die jene Gene blockieren. Die Forscher verabreichten diese Medikamente einem TB-verwandten Bakterium, das in der Folge zerstört wurde. In Kürze beginnen Versuche mit dem eigentlichen Bakterium. Ist das Medikament wirksam, würde das für die Forschung einen gänzlichen neuen Weg im Kampf gegen Tuberkulose bedeuten. Zudem müsste bei der Entwicklung von Medikamenten nicht mehr bei Null begonnen werden, da der Einsatz von Azolen bereits weit verbreitet ist und weniger Sicherheitstests nötig sind als mit neuen Medikamenten. Ein Problem könnte mitunter der Preis für das Medikament sein. Viele der bereits eingesetzten Arzneimittel unterliegen noch immer einem Patent und laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) betrifft dies auch jene, die – wenn auch nicht zu hohen Preisen – in Entwicklungsländer exportiert werden. (pte)