Bis Kopernikus und Galilei glaubte man, die Erde stünde im Zentrum des Universums, bis Darwin glaubte man, der Mensch wäre der Mittelpunkt der lebendigen Natur. Beide Ansichten haben sich als Irrtum erwiesen. Der entscheidende Wandel bestand in der Erkenntnis, dass sowohl die physikalische als auch die lebendige Welt eine Geschichte haben. Der vorliegende Band von Gerd-Christian Weniger schildert - didaktisch hervorragend - nicht nur die biologische Geschichte des Menschen, sondern auch die theoretischen und wissenschaftsgeschichtlichen Hintergründe der schrittweisen Erkenntnis unserer eigenen, inzwischen schon zwei Millionen alten Vergangenheit. Beachtenswert sind auch die Illustrationen von Wolf Erlbruch, der keine "anthropologischen Abbildungen" anfertigte, sondern Graphiken schuf, die es dem Leser mit seiner eigenen Phantasie ermöglichen, die wissenschaftliche Darstellung auch von einer anderen (übrigens nicht minder realen) Seite zu sehen. Die Themen dieses Bandes, der sich vom sonst in diesem Genre Gebotenen wohltuend abhebt, reichen von der Naturgeschichte der Primaten bis zum Menschen, über die genetischen Unterschiede zwischen Arten und Individuen, über die Phänomene Mythos und Religion, über Werkzeugherstellung und die Entwicklung der Kongnition, die Probleme von Umwelt und Ernährung (Stichwort Eiszeitalter) bis zum Verhältnis "Frau und Mann". Innerhalb des Textes, der allgemein verständlich und (im positiven Sinne) populär gestaltet Ist, sind zu verschiedenen Themen jeweils mehr fachliche Ausführungen eingeschaltet, die jedem auch nicht biologisch vorgebildeten Leser sehr zu empfehlen sind, die aber auch überlesen werden können, ohne den fortlaufenden Text inhaltlich zu unterbrechen. ( Robert Kaspar )