Athen - Ein griechisches Gericht hat am Mittwoch Zwangspfändungen deutscher Einrichtungen zur Entschädigung von Opfern der NS-Besatzung für rechtens erklärt. Der Vorsitzende Richter erklärte in Athen, die Beschlagnahmungen könnten nun eingeleitet werden, um die Nachkommen von 218 ermordeten Einwohnern des Dorfes Distomo zu entschädigen. Hitlers Waffen-SS hatte dort am 10. Juli 1944 ein Massaker unter den Dorfbewohnern angerichtet. Die 295 Angehörigen könnten ihre Ansprüche ab dem 12. September beim Goethe-Institut und dem deutschen Archäologie-Institut geltend machen. Die Bundesregierung hat jedoch noch die Möglichkeit zu einer Berufung. Im Juli vergangenen Jahres hatte eine griechische Gerichtsvollzieherin Schritte zur Beschlagnahme der beiden deutschen Institute in Athen eingeleitet. Griechische Gerichte hatten den Nachkommen bereits 1997 insgesamt umgerechnet rund 100 Millionen Mark (51,1 Mill. Euro/704 Mill. S) an Entschädigungen zugesprochen. Die deutsche Bundesregierung weigert sich bisher, die Ansprüche anzuerkennen, weil nach ihrer Auffassung griechische Gerichte keine internationale Rechtsprechungskompetenz haben. (APA)