+ + + PRO SchwammerlsuchenUte Woltron Nur ausgesprochene Stadtfräcke gehen davon aus, dass es beim Schwammerlsuchen um das Schwammerl selbst oder um etwaige Naturerlebnisse geht. In Wirklichkeit handelt es sich bei der Jagd auf Schwamm und Pilz, so ab Juni, Juli, um die alljährliche Zurechtrückung des Sozialgefüges dichter Schichten der ländlichen Bevölkerung. Wer weiß, wo der Schwamm zuhause ist, ist König. Der Schwammerlgebietkenner ist Geheimnisträger ersten Ranges, und früh aufstehen muss, wer den Nachbarn schlagen will. Die Sieger sind also fast immer Pensionisten jenseits der 70, die Superschwammerlplätze werden gehütet und so gut wie testamentarisch an nachfolgende Enkelscharen vermacht. Selbstverständlich gibt es Rangordnungen, Parasol und Tintling sind gut kalkulierbare Massenware, Herrenpilze allerdings fast unberechenbare Glücksache, was das Schwammerlsuchen wieder demokratisch abfedert und auch Ungeübten Infantenstatus zu verleihen vermag. Wer übrigens glaubt, dass gekauftes Schwammerlzeug auch nur irgendwas heißt, der ist noch nie im Morgengrauen mit Sack und Korb gegen seinen Nachbarn angetreten. Am Ende des Tages ist der Eierschwammerlreis oder der panierte Tintling aus eigenem Fang immerhin ein köstlicher Trost all jenen, die gegen ihre Nächsten dieses Mal schwammerlmäßig abgestunken sind.
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- - - CONTRA Schwammerlsuche Karl Fluch Ich fürchte, ich muss deshalb meistens Contras dichten, weil der Irrglaube umgeht, ich wäre eh immer gegen alles. Was natürlich üüüberhaupt nicht stimmt. Ich bin zum Beispiel voll für Dings, na, wie heißt schnell dieses neue Zeugs, ähm, dieses . . . - , na!, - jetzt ist mir grad der Name entfallen. Auch wurscht. Glaubt mir sowieso wieder niemand. Also bin ich meinetwegen (kein F-Sympathisanten-Zitat!!!) auch gegen Schwammerlbrocken. Ist ja nicht schwer: Erstens gibt es Schwammerl beim Mario am Naschmarkt zu kaufen, und man muss nicht selber in aller Herrgottsfrüh aufkrabbeln, sich süße Träume aus den verpickten Augen wischen und auf allen Vieren im Wald nach Zeugs suchen, von dem man dann ohnehin nicht genau weiß, ob es sich dabei nicht um so einen giftigen Hallodri handelt, der einen in ein frühes Grab bringt: Fliegendingsbums. Na, der Rote mit den Wimmerln halt. Außerdem: Wald! Totales Feindgebiet. Von wegen "Bruder Baum"! Kann mir gestohlen bleiben. Wozu ist man Einzelkind. Der Mario, der hat Brüder: sein Pech. Die lärmen nächtens, drum steht er früh auf und sucht Schwammerl. Angeblich mit einem Trick: Er nascht "magic mushrooms". Darum findet er so viele Artgenossen. Hm. Sollt' ich doch einmal . . .? Ah, nein, dann muss ich am Ende noch wo dafür sein . . . Ups!