Die "optimale Lautstärke" bei Musik ist die, die einem gefällt. Die "ideale", wirklichkeitsgetreue, bleibt aber eine Unbekannte. Das merkt man gerade bei den neuen Superdiscs, die ihre gesteigerte Emotion aus höherer Dynamik und Plastizität beziehen. Dass ein Orchester lauter klingt als eine Geige, ist klar; ebenso, dass eine Orgel machtvoller braust als ein zirpendes Cembalo. Viele Aufnahmen missachten diese einfachen Grundregeln. Da Toningenieure vor allem auf die höchstmögliche Aussteuerung achten, klingt ein leises Cembalo eben so laut wie ein großer Konzertflügel. Der Hörer daheim muss also wissen, welche Lautstärke für welches Instrument passend ist. Er kann aber leider nur raten, wie nahe die Mikrofone am Instrument standen. Doch gerade das macht audiophil eine Welt aus: Oberwellen von Instrumenten verändern sich mit ihrer Entfernung gewaltig. Eine Geige, nah mikrofoniert, wird brillanter, aber auch kratziger klingen als aus zehn Metern Entfernung, wo Milde und Glanz überwiegen. Beides kann faszinieren, hinterlässt aber einen komplett unterschiedlichen emotionalen Eindruck. Das Gleiche passiert bei Schlagzeugen, Klavieren und Orchestern. Da die Mikrofon-Position den Sound bestimmt, ist ihre Kenntnis für die Wahl der realistischen Lautstärke daheim sehr wesentlich. Der Disc-Käufer erhält zwar Infos über Ort, Datum und Aufnahme-Team, aber nur ganz selten über die Größe des Saales, oder von wo die Mikrofone lauschten. Ausnahme ist etwa das audiophile Label Tacet, bei dessen DVD-Audios der Hörer bewusst die Rolle eines zentralen Mitspielers erhält und hautnah von Instrumenten umgeben ist. Hier kann man die objektive Lautstärke leicht bestimmen. Es gibt eine praktikable Lösung, die bereits von einigen Kleinfirmen verwirklicht wurde. Da findet sich im CD-Booklet etwa folgende Notiz: "Bei dieser Aufnahme sitzen Sie in der Mitte der zehnten Reihe in einem kleinen Konzertsaal (25 Reihen)". Das bietet dem Hörer einen guten Anhaltspunkt, den man leicht mit der Konzert-Wirklichkeit vergleichen kann.