Auf "Fashion", vor allem auf die der Frauen, lässt er sich gern ein. Bill Brandt setzte Models auch an steinigen, nassen Stränden und bei aufziehendem Regen aus, vor allem auch das, was an ihnen ungesehen und unbetrachtet gelassen werden soll. "Fashion on Sea" heißt es in der Picture-Post vom 24. Juli 1948. Und seine jungen Models fühlen sich im leichten, quer gestreiften Sommerkleid so im Blick, wie Models es vermutlich auch im Schlaf gerne sind. Die beiden sind in ihren Stranddressen, kurz und etwas gebauscht und sicher nach der damaligen Mode, ganz zufrieden und erwarten auf weißen Badetüchern, ähnlich wie der geschlossene, lange Regenschirm, die Kamera, das Kofferradio und die noch verschlossene Rotweinflasche, einen hübschen Abend. Keine Enttäuschung in Sicht. Oder doch viel später als am 24. Juli 1948. Alles bleibt ihnen zu wünschen: dass sie leicht nehmen können, was auf sie zukommt, Räume, Ausmaße, Architekturen, auch die ihrer Schicksale. So "hoch da droben wie Deutsche ihren Wald" wollen sie nicht bauen oder gebaut wissen. Was wird ihnen gegönnt sein? Überschaubarkeit oder Überraschung - und welches Maß davon? Sicher wird noch einiges auftauchen. Seevögel. Seeleute, Hoffnungen. Und welches Maß davon? Es sollte ihnen gemäß sein und bleiben wie auf den Fotos von Bill Brandt: Weit über das hinaus, was gemäß genannt wird. Und was deshalb Hoffnung gibt. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 13. 7. 2001)