Mörbisch - Herz-Schmerz im Dreivierteltakt, Champagnerlaune. Die Seitenblicke-Prominenz Österreichs ist bei der großen Illusionsmaschinerie der Seefestspiele in Mörbisch obligat zugegen; und auch der traditionelle Diplomatenausflug des Auswärtigen Amtes führte diesmal ins Burgenland. Unter den 72 Botschaftern waren auch der chinesische bilaterale und der chinesische UN-Botschafter. Auch Exstadtrat Peter Marboe war übrigens zugegen, um ins Land des Lächelns einzutauchen, in eine stilvolle Freiluftoperette. Perfekt inszeniert und original perlend: Intendant Harald Serafin, später selbst in der Rolle des Grafen Lichtenfels, begrüßte, und los ging's - unverkennbar: Chinesische Künstler waren mit ihren Kostümen und Requisiten eigens aus der Provinz Hunan angereist, um China-Flair zu versprühen. Bunte Gewänder in Orange, zartem Rosa, Damen mit Schirmchen, Männer mit Schwertern, Sänften und das Gold riesiger Drachen-Schlangen. Confetti-Show Feuer, Trommeln, das Blutrot einer ausgetüftelten Lichtregie auf der Kulisse eines Kaiserpalastes entfachten einen Märchentraum. Confetti-Show für Erwachsene und ein gutes Stück Peking-Oper in einem war das. Winfried Bauernfein inszenierte (Choreographie: Gisela Walther) ein Feuerwerk der Träume: die schön tragische Liebe zwischen Ost und West, das Heimatgefühl einer durch China irrenden Wienerin, die wieder zurückfindet - zu triefend gut gespielten Evergreens. Ingrid Habermann in der Rolle der Lisa sang sich herzzerreißend ihrem Prinzen, dem Chinesen San Ho Choi, in die Arme. Beides tragende Stimmen, theatralisch vibrierend, aber schön. Und zwischendurch fast untergriffige Situationskomik über dies und jenes. Wie in einer großen Realityshow - es geht um das romantische 19. Jahrhundert bis hin zur Erfindung des Automobils - kommen dekorative Fahrzeuge auf die Bühne gefahren: ein gelbes Fahrrad, ein hübscher Schimmel, ein sanft schnurrender Oldtimer und das pompöse Boot des chinesischen Prinzen. Das sind Fahrten über eine Bühne, die nichts mehr zu wünschen übrig lässt. Hier wird eben nicht gekleckert. Fast vergessen darin die Musik von Franz Lehár unter der musikalischen Leitung von Rudolf Bibl - mit einem Orchester, das im Graben den Zauber untermalt. Durchaus wunderbar. Zum Schluss ein Feuerwerk am Himmel, das selbst noch die Sterne übertrifft und lukullisches Vergnügen mit Schweinefleisch süß-sauer, Frühlingsrollen und Reiswein an den Ständen des Festivalgeländes. Lächeln, singen, essen und grüßen bis weit nach Mitternacht. Die Schwerarbeit an der leichten Muse hat sich bezahlt gemacht. Sie lockt unsichtbar bis zum 14. August in das Land des Lächelns . (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 14./15. 7. 2001)