Wien - Dicke blaue Schläuche hängen die Wand herab bis zum Boden, aus der Halle 22 dringt Baulärm. Bevor die Messehalle am Pratergelände im Rahmen des neuen Nutzungskonzepts endgültig niedergerissen wird, gehört noch eine gefährliche Altlast entsorgt: Asbest - jener Baustoff der vor Jahrzehnten im Brandschutz verwendet wurde. 30 Millionen extra kalkuliert der neue Generaldirektor der "Messe Wien Besitzgesellschaft" und Eigentümervertreter der Stadt, Rudolf Mutz, für die Sanierung. Ebenfalls verseucht: das ehemalige Messerestaurant. Die Wiener Messe, war in der Vergangenheit unter der Leitung von Wirtschaftskammer und Bank Austria ein Flop. Schließlich entschieden Stadtpolitiker, die Messe AG um 106 Millionen Schilling zu kaufen. Damit verbunden war auch - unter Planungsstadtrat Bernhard Görg (VP) - die heftig kritisierte, weil freihändige Vergabe der Neugestaltung des Messegeländes an ein Ingenieurbüro. Die erste Bauetappe soll bis 2003 abgeschlossen sein, damit ein Kardiologenkongress mit tausenden Teilnehmern tagen kann - so das damalige Argument für die fehlende Ausschreibung. "Sie können sicher sein, die Gestaltung des restlichen Areals wird ausgeschrieben," will Messe-Chef Mutz keine Fehler wiederholen, "Mitte nächsten Jahres soll es soweit sein". Vor allem die Gestaltung des "Entertainment Center" und des Vorplatzes (vom Praterstern kommend) ist völlig offen. Für ersteres wünscht sich Mutz eine ganzjährige Nutzung, alles andere sei wenig sinnvoll. Genauso wenig hält er davon, "dass um das Areal ein Zaun gezogen und Eintritt verlangt wird" und dort ein "Einthemenpark" entsteht (was der Idee einer "Wonderworld of Music" eine klare Abfuhr erteilt). Fachleute sollten sich etwas überlegen. Für die Umsetzung der Baupläne wird seitens der Stadt sehr viel Geld in die Hand genommen: knapp zweieinhalb Milliarden. Das Geld soll durch die Miete, die Messeveranstalter Reed für die Nutzung der Messehallen bezahlt, hereingebracht werden. Gerechnet wird - vorausgesetzt es können potente Großmessen nach Wien geholt werden - mit einer hohen Umwegrentabilität. Ohne Umbau hält Mutz die Wiener Messe für nicht überlebensfähig. Neue Infrastruktur Zuerst wird die Adaption der Halle 25 vollzogen, die ohnehin erst vor 7 Jahren errichtet wurde. Ab 2003 - parallel mit dem U2-Ausbau - wird eine Veranstaltungshalle, ein Kongresszentrum und eine "mall" als Verbindungsgang mit Restaurants gebaut. Neu errichtet wird eine "Medienhalle" mit Pressezentrum und Veranstaltungshalle. Am Kongresszentrum ist nach Plänen von Architekt Gustav Peichl ein 40 Meter hoher Turm geplant. Über seine Verwirklichung als "Messewahrzeichen" wagt allerdings nicht einmal Mutz zu spekulieren. Auch andernorts im Prater beginnen sich Dinge zu verändern: Mitte Oktober, erklärte Unternehmer Martin Schwarz Freitagmittag selbstbewusst, solle sein "Kaleidoskop-Kultiplexx" die Pforten zu einer "Begegnungsstätte mit Meistern aller Kleinkünste" öffnen: Sechs Bühnen (unter anderem Märchen, Zirkus, und Zauberei) sowie ein Showtheater und Ausstellungsflächen sollen an die Vorkriegstradition des Praters als kulturell aktive Zone anknüpfen. Denn "das ist nach dem Krieg zurückgegangen", bedauerte Praterunternehmerpräsident Alfred Kern. Dass ausgerechnet Schwarz am Platz des ehemaligen "Oberbayern" als Praterunternehmer werkt, findet er selbst bemerkenswert: Vor drei Jahren waren Schwarz und Günther Sallaberger von Wiens SP-VP-Koalition ausgeschickt worden, binnen eines Jahres ein Konzept "Prater Neu" zu erstellen. Das Konzept ließ auf sich warten - dafür sind heute beide im Prater aktiv: Sallaberger bei der Messe und Schwarz als Schausteller. (aw/rott/DER STANDARD; Print, 14.7.2001)