Irgendwann, in einer nicht allzu fernen Zukunft, werden dann Bundeskanzler Wolfgang Schüssel, Bischof Kurt Krenn und Kurt Diemann wohl ein Liedchen anstimmen. Singen, heißt es, soll die Angst vertreiben. Und es wirkt so sympathisch: "Wenn alle untreu werden . . ." Ein kleiner Chor von schrulligen Moralisten und orthodoxen Katholiken wird dann den einsamen Tenören wider die Unnatur den Chor machen. Ganz fest werden sie sich halten und weitersingen. Kaum etwas schweißt mehr zusammen als Isolation - und in diese rutschen Österreichs Hardcore-Homosexuellendiskriminierer beinahe täglich tiefer, mag Bischof Krenn noch so über die Ideen der männlichen Laien poltern.

Rüffel aus dem Ausland ist man ja gewohnt: Anfang Juli forderte das Europäische Parlament Österreich - zum sechsten Mal - auf, den Schandparagraphen 209 des Strafgesetzbuches, der freiwillige Männerliebe zwischen Über- und Unter-18-Jährigen sanktioniert, aufzuheben. Dass Resteuropa längst auf den Weg der rechtlichen und gesellschaftlichen Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Paare mit Heterosexuellen einschwenkt? Egal.

Blöd nur, dass sogar hier die Reihen brüchig werden: Der Justizminister will das Grundbuch - auch - für gleichgeschlechtliche Paare öffnen. Ein ÖVP-Funktionär deklariert sich als schwul. Der Obmann der Wiener Schwarzen fordert ein Umdenken in der Frage des 209ers. Und nun verlangt auch noch die katholische Männerbewegung den Segen der Kirche für homosexuelle Paare. Und - als "ceterum censeo" - die Streichung des 209ers. Irgendwann wird es da mit bloßem Abtauchen, Schmähen, Ignorieren und dem Hinweis auf die eigene höhere Einsicht in die christlich-katholischen Werte nicht mehr klappen. Dann bleibt nur noch Singen. Das hilft. Bestimmt.