München - Nach Aussagen des luxemburgischen Ministerpräsidenten und Finanzministers Claude Juncker gibt es keine Festlegung auf einen vorzeitigen Rücktritt von EZB-Präsident Wim Duisenberg im Jahr 2002. Es sei 1998 klar und deutlich abgemacht worden, dass Duisenberg vor dem Ende seiner Mandatszeit zurücktrete, den Zeitpunkt aber selbst bestimme, sagte Juncker in einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung". Er sei sowohl bei der vorbereitenden Finanzministerkonferenz am 1. Mai 1998 als auch bei dem Gipfel am 2. Mai mit dabei gewesen und "ich kann bezeugen, dass es diese Festlegung auf eine Halbierung der Amtszeit wirklich nicht gab", sagte Juncker. "Gentleman's Agreement" Der französische Staatspräsident Jacques Chirac hatte sich 1998 für den französischen Notenbankchef Jean-Claude Trichet als ersten Präsidenten der Europäischen Zentralbank eingesetzt, sich aber nicht durchsetzen können. Die französische Regierung vertritt seitdem die Linie, dass ein "Gentleman's Agreement" Duisenbergs Rücktritt zur Mitte seiner Amtszeit 2002 vorsehe. Dann solle Trichet EZB-Chef werden. Duisenberg selbst hat ein solches Abkommen nie bestätigt, hatte aber angekündigt, wegen seines Alters voraussichtlich nicht die gesamte Amtszeit von acht Jahren zur Verfügung stehen zu wollen. Über einen vorzeitigen Rücktritt entscheide er aber ganz allein. Duisenbergs Amtszeit läuft noch bis 2006. Da in Frankreich die Justiz ermittelt, ob Trichet Mitverantwortung für die vermuteten Rechtsverstöße bei der Credit Lyonnais trägt, sind in der Vergangenheit immer wieder Spekulationen über mögliche andere Kandidaten für den EZB-Chefposten aufgekommen. Trichet war in dem relevanten Zeitraum Direktor im Finanzministerium. Die Untersuchung der Vorgänge könnte sich über mehrere Monate oder sogar Jahre hinziehen. (APA/Reuters)