Ankara - In der Türkei sollen ältere Schülerinnen unter bestimmten Voraussetzungen wieder auf ihre Jungfräulichkeit untersucht werden können. Nach Berichten türkischer Zeitungen erließ Gesundheitsminister Osman Dürmus eine entsprechende Anordnung. Menschen- und Frauenrechtsgruppen protestierten dagegen. Die früher in der Türkei übliche Praxis ist seit zwei Jahren verboten, nachdem fünf jugendliche Bewohnerinnen eines Waisenhauses Rattengift geschluckt hatten und in einen Wassertank gesprungen waren, um sich dieser entwürdigenden Untersuchung zu entziehen. Die Mädchen waren ziemlich spät am Abend in das Heim zurückgekehrt, und sollten deshalb auf ihre Jungfräulichkeit untersucht werden. "Verlust" der Jungfräulichkeit bedeutet Schulverweis Mit seiner Anordnung umgeht der Gesundheitsminister das vor zwei Jahren verhängte Verbot. Die Untersuchung soll nur an Schülerinnen so genannter medizinischer Oberschulen vorgenommen werden. Dort werden Mädchen als Krankenschwestern oder medizinisch-technische Assistentinnen ausgebildet. Die können Schülerinnen auf ihre Jungfräulichkeit untersucht werden, wenn bekannt sei, dass sie sexuelle Kontakte gehabt hätten oder mit Prostitution in Verbindung gebracht würden. Die Eltern der Mädchen müssen der Untersuchung zustimmen. Wenn die Untersuchung ergibt, dass die Mädchen ihre Jungfräulichkeit verloren haben, sollen sie von der Schule verwiesen werden und dürfen ihre Ausbildung auch an keiner anderen staatlichen Einrichtung fortsetzen. (APA)