Stockerau - Sichtbetongraue Wolkengeschwader allüberall, nur ganz hinten, Richtung Prag, ein senffarbenes Eckchen. 18:41: erstes Donnergrollen. 18:47: die ersten Tropfen. Um acht, zu Beginn der Welturaufführung, regnet es dann wirklich, für zehn Minuten. Dennoch, nach weiteren zehn Minuten: alles trocken. Los geht's. Die Musik (Michael Schnack, er dirigiert auch) tschakert so richtig los, brasilianisch-kubanisch, dann wieder broadwayhaft. Die Bühne (Walter Vogelweider), ein erstaunliches Irgendwas mit mehreren Ebenen. Die Story: im Prinzip Cyrano de Bergerac , gekonnt gerafft und versetzt nach Florida. Alfons Haider ist natürlich Cyrano, hier Scott Dillon, Quarterback einer Footballmannschaft, und hat also einen riesengroßen, schorfigen Zinken angepappt bekommen. Der nette Hübsche, aber dichterisch unbedarfte, trägt den Namen Tom Kaminski; Philip-Alexander Schwarz gibt ihn nett und rein wie Morgentau. Nicht unschön: Anne Mandrella als doppelt Angebetete Maxine. Die Arme muss bei zehn Grad lächelnd im Seidenkleidchen herumstehen und singen, doch sie kann es. Wundervoll singt Marianne Mendt (spielt eine Milliardärin und Footballteambesitzerin): klar und charismatisch. Zwischen den Handlungsstrecken (Regie: Erhard Pauer) hüpft dann und wann ein Ensemble durch die Gegend: quirlig, flink und mit dieser wild-entschlossenen Turniertänzersuperfreundlichkeit. Die Kostüme (Ulrike Radichevich) sind supersexy, im Mittelteil Prada, gegen Ende very Gucci, smart. Mit Time Out! ist Alfons Haider als Leiter der Stockerauer Festspiele eine professionelle, unterhaltsame Produktion gelungen. (end/ DER STANDARD, Print-Ausgabe, 18. 7. 2001)