Linz - Auf den "Baby-Boom" folgt jetzt der Boom bei den Vaterschaftstests: Denn in immer mehr Familien gibt es offenbar Unklarheit über den "echten " Erzeuger der Kinder. Das Linzer Gerichtlich-Medizinische Institut der Johannes-Kepler-Universität etwa hat seit 1995 eine Verdopplung der Vaterschaftstests verzeichnet. Dabei handle es sich aber nicht um einen starken Anstieg der gerichtlich angeordneten Untersuchungen, so der Mediziner Franz Neuhuber. Immer mehr Personen - ungefähr gleich viele Frauen wie Männer - ließen in einem "Privatgutachten" die Vaterschaft klären. Noch 1995 führten die Gerichtsmediziner etwa 100 Tests jährlich durch. Diese Zahl habe sich inzwischen auf mehr als 200 erhöht, so Neuhuber. Die Vorgangsweise beim Test ist immer die gleiche: Von allen drei "Beteiligten" - also Kind, Mutter und dem vermutlichen Vater - wird ein Mundhöhlenabstrich genommen, dann wird die DNA aus dem Speichel gewonnen. Das sei die komplikationsloseste Methode. Antragsteller wollen Sicherheit Das Ergebnis der Tests ist äußerst genau: Wird anhand der Untersuchungen fest gestellt, dass der betreffende Mann nicht als Vater in Frage kommt, so gilt für dieses Ergebnis eine hundertprozentige Sicherheit. Im umgekehrten Fall - wenn die DNA-Analyse auf die Vaterschaft des Mannes hindeutet - liegt eine Wahrscheinlichkeit von 99,9 Prozent vor, erklärte Neuhuber. Denn in diesem Fall würden sozusagen Ähnlichkeitsmerkmale in der DNA überprüft. Rund 70 Prozent der am gerichtsmedizinischen Institut durch geführten Vaterschaftstests werden vom Gericht in Auftrag gegeben, in der Regel - in etwa 80 Prozent der Fälle - trete die Mutter oder das Kind als Kläger auf und fordere eine solche Sicherstellung, sagte Neuhuber. Beim anderen Teil der Aufträge - und der nehme immer mehr zu - handle es sich um "Privatgutachten". Auftraggeber seien Personen, die einfach "Klarheit" über die Vaterschaft wollen. Etwa dann, wenn es um Erbschaften gehe, weiß Neuhuber. Die Auftraggeber seien zur Hälfte Frauen, zur Hälfte Männer. Ein Vaterschaftstest kostet rund 20.000 Schilling. Das Ergebnis des Gutachtens liegt nach etwa einer Woche vor. Wenn die Mutter auf Vaterschaft geklagt hat, dann ist der Betreffende in 80 Prozent der Fälle der Erzeuger. Wehrt sich hingegen der Mann gegen den "unterschobenen" Nachwuchs, so bekommt er von Kommissar DNA in rund zwei Drittel der Fälle recht. (APA)