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e-fundresearch / Frankfurt: Herr Rachor können Sie uns einen kurzen Überblick über die Entwicklung an den europäischen Small-Cap Segment geben? Rachor: "Wir hatten in den letzten 12-18 Monaten eine sehr turbulente Phase an den europäischen Wachstumsmärkten. Bis März 2000 hatten wir eine sehr starke Aufwärtsbewegung erlebt, seit dem geht es kontinuierlich bergab. Woran liegt das? Zunächst kann man sagen, daß die Berertungsrelationen aus dem Jahr 2000 übertrieben waren. Das ist zum einen auf die starken Mittelzuflüsse- in europäische Wachstumsfonds zurückzuführen. Die Fondsmanager bekamen täglich neues Geld, das sofort investiert wurde. Es gab in dieser frühen Phase noch wenig Angebot. Das hat sich in den letzten Monaten allerdings drastisch geändert. Es sind immer mehr Aktien an die Wachstumsbörsen gekommen und auch die Lock-Up Perioden für die Altaktionäre von Unternehmen die schon länger an der Börse notieren, sind ausgelaufen. Gerade in den letzten Wochen und Monaten hat man feststellen können, daß große Aktienbestände von Altaktionären und Venture Capitalisten verkauft wurden. Man muß sich vor Augen führen, daß diese Aktienbestände ein vielfaches der IPO Erlöse ausmachen. Beim IPO ist normalerweise 20-30 % des Grundkapitals platziert worden, d.h. 70-80 Prozent ist noch in den Händen der Altaktionäre geblieben. Diese Aktien kommen nun immer mehr auf den Markt. Darüber hinaus haben sich die Gewinnerwartungen der europäischen Wachstumsaktien nicht erfüllt. Aber auch an der NASDAQ, wo die Vorreiter im Technologiebereich notieren, hat es die Blue-Chip Techaktien erwischt. Dem konnten sich die kleinen europäischen Untenehmen natürlich nicht entziehen. Wir haben teilweise Kursverluste von bis zu 90 % gesehen, im NEMAX All-Share Index von bis zu 80 % vom Höchststand. Man könnte sich im ersten Moment denken, daß die Aktien nun billig bewertet sind. Da die Gewinn der Unternehmen dermaßen drastisch gefallen sind, bzw. die Firmen weiter Verluste schreiben, kann man die neuen Märkte nach fundamentalen Kriterien noch nicht als billig erachten. Deswegen ist auch auf den jetzigen Levels Vorsicht geboten. Allerdings muß man dazusagen, daß in den letzten Wochen und Monaten auch Gesellschaften unter die Räder gekommen sind, die eine Historie von sieben bis acht Quartalen mit steigenden Umsätzen und Gewinnen vorweisen konnten. Diese Gesellschaften sind jetzt fundamental im Vergleich mit dem DAX oder euopäischen Indices sehr günstig bewertet und haben ein höheres Wachstum. Aus dieser sicht gibt es in den neuen Märkten durchaus Gesellschaften, die man über fundamentales Research aufspüren kann und günstige Bewertungen und gute Kurschanchen haben." e-fundresearch / Frankfurt: In welchen Branchen sehen in Europa am meisten Potential? Rachor: "Aus unserer Sicht kann man hier zwei Branchen nennen. Das wäre zum einen der Spezialmaschinenbau, zum anderen aber auch die Softwaregesellschaften. Die Gewinnsituation bei Spezialmaschinenbau Aktien ist teilweise sehr ordentlich. Außerdem haben Maschinenbau Unternehmen eine hohe Exportquote und profitieren vom schwachen Euro. Es gibt hier Gesellschaften, vor allem im Laser-Maschinenbau, die ein KGV (Kurs/Gewinn Verhältnis) von 10-15 bewertet sind und um 30-40 % im Umsatz wachsen. Auch im Softwarebereich gibt es Gesellschaften die ungebrochen weiter wachsen und sich nicht von der schlechten gesamtwirtschaftlichen Situation beeinflussen lassen. Dies sind aber Sondersituationen, sodaß in dem Bereich Stock-Picking angesagt ist." e-fundresearch / Frankfurt: Wie schätzen Sie die Zukunftsaussichten des SMAX Segmentes im Vergleich zum Neuen Markt ein? Rachor: "Man kann durchaus annehmen, daß sich der SMAX im heurigen Jahr etwas besser als der DAX und Neue Markt entwickeln wird. Das wird aber nicht so gewaltig sein wie es beim Neuen Markt vor einem Jahr war. Warum entsteht diese Outperformance? Es werden viele neue Fonds im SMAX Bereich aufgelegt und es fleißt viel neues Geld hinein. Zum anderen gibt es dort auch Unternehmen die ordentliche stablile Wachstumsraten aufweisen. Aber auch im SMAX gibt es Gesellschaften die sehr enttäuscht haben." e-fundresearch / Frankfurt: Werden die Mittelzuflüsse in den SMAX durch Fonds wieder nicht wieder zur gleichen Blase wie im Neuen Markt führen? Rachor: "Diese Gefahr sehen wir aus jetziger Sicht nicht, da die Mittelzuflüsse aufgrund der Börsensituation nicht so eklatant sind wie vor zwei Jahren. Auch die Fondsmanager sind mit der Verwendung der neuen Mittel sehr behutsam. wenn sie keine geeigneten Anlageobjekte im SMAX finden, auch von der Liquidität her, wird für einige Zeit Kasse gehalten." e-fundresearch / Frankfurt: Fondsmanager betonen immer die Bedeutung der Gespräche mit dem Management der Unternehmen. Dies hat aber in der Vergangenheit auch nicht vor Enttäuschungen geschützt. Inwieweit verlaufen diese Gespräche jetzt anders? Rachor: "Diese Unternehmenskontakte sind aus unserer Sicht auch in Zukunft essentiell. Sicherlich hat es auch in diesem Bereich für die Fondsmanager und Anleger große Enttäuschungen gegeben. Mit der Zeit bekommen die Fondsmanager natürlich mehr Erfahrung, und versuchen alles noch kritischer zu hinterfragen."