Rom/Moskau - Russland hat von den USA mehr Transparenz über deren Raketenabwehrpläne gefordert. Moskau erwarte von Washington künftig "vollständige Klarheit" über die Entwicklung des Raketenabwehrschildes (MD), sagte der russische Außenminister Igor Iwanow nach einem Treffen mit seinem US-Kollegen Colin Powell am Mittwoch in Rom. Russland sei auf einen "konstruktiven Dialog" vorbereitet. Vor Journalisten sagte Iwanow, er habe sich mit Powell kurz vor Beginn des G8-Gipfels in der italienischen Hafenstadt Genua über die "strategische Stabilität in all ihren Dimensionen und Aspekten" beraten. Iwanow kirtisierte, dass die Bildung von bilateralen Arbeitsgruppen von Fachleuten aus den Verteidigungs- und Außenministerien beider Länder nur schleppend vorankomme. Dagegen kündigte Powell an, "die Dinge würden in absehbarer Zukunft klar", das Pentagon "arbeitete hart" an den verschiedenen Möglichkeiten des MD-Projektes. "Detaillierte Gespräche" würden dann mit Moskau aufgenommen, sagte der Washingtoner Außenamtschef weiter. Bei ihrem Gipfel im vergangenen Monat hatten US-Präsident George W. Bush und sein russischer Kollege Waldimir Putin Konsultationen über MD verabredet. Nach Ansicht Russlands verstoßen die Raketenabwehrpläne der USA gegen den ABM-Vertrag von 1972. Russland sieht sich nicht in der Lage, wie vorgesehen bis Ende April kommenden Jahres 8000 Tonnen chemischer Waffen zu vernichten. Mit der Zerstörung werde nicht vor Jahresbeginn begonnen, teilte der militärische Informationsdienst AWN mit. AWN versicherte allerdings, Russland werde seinen Vorrat von 40.000 Tonnen chemischer Waffen, dem weltweit größten seiner Art, wie international verabredet bis 2012 vernichten. Die Kosten für die Zerstörung veranschlagte Moskau mit umgerechnet mehr als 307 Mill. Euro (4,22 Mrd. S).