Die frühere Herausgeberin der US-Tageszeitung "Washington Post", Katharine Graham, ist im Alter von 84 Jahren gestorben. Wie die Zeitung am Dienstag mitteilte, starb Graham in einem Krankenhaus in Boise (US-Bundesstaat Idaho), in das sie nach einem Sturz eingeliefert worden war. Sie war bei einem geschäftlichen Treffen in Idaho am Samstag auf den Kopf gestürzt und danach nicht mehr zu Bewusstsein gekommen. Pentagon-Papiere und Watergate-Skandal Katherine Graham hatte nach dem Tod ihres Mannes Philipp Graham 1963 die Post Company übernommen, die die "Washington Post" herausgibt. Während ihrer 30-jährigen Tätigkeit als Herausgeberin wandelte sich die "Washington Post" von einer kleinen Lokalzeitung zu einem der einflussreichsten Blätter der USA. Heute erscheint sie mit einer Auflage von fünf Millionen Exemplaren. Weltberühmt wurde die Zeitung 1971, als sie zusammen mit der "New York Times" die "Pentagon-Papiere" veröffentlichte, geheime Dokumente über die Rolle der USA in Vietnam. Ein Jahr später gab Graham den "Post"-Reportern Carl Bernstein und Bob Woodward volle Rückendeckung: Sie enthüllten im "Watergate-Skandal" den Spionage-Einbruch in das Wahlkampfzentrum der Demokratischen Partei im Watergate-Hotel. Nixon versuchte die Veröffentlichungen zu verhindern, trat aber schließlich zurück. Herkunft Graham stammte aus einer wohlhabenden New Yorker Familie. Ihr Vater Eugene Meyer kaufte die "Washington Post" 1933. Mit 21 Jahren begann sie als Redakteurin bei dem Blatt, zog sich aber nach ihrer Heirat mit dem Anwalt Philip Graham aus dem Berufsleben zurück. 1948 übernahm ihr Mann die Leitung der "Post" von seinem Schwiegervater. 1963 beging Philip Graham, der seit Jahren unter Depressionen litt, Selbstmord. Katherine Graham trat seine Nachfolge an der Spitze des Unternehmens an, das die "Washington Post" herausgibt. 1993 gab sie die Leitung an ihren Sohn Donald ab. Vor drei Jahren wurde sie für ihre Autobiographie mit dem renommierten Pulitzer-Preis ausgezeichnet. (Apa)