Frankfurt - Der Rückgang der Teuerungsrate in der Euro-Zone im Juni lässt nach Einschätzung des österreichischen Notenbankchefs Klaus Liebscher noch nicht den Schluss zu, dass die Inflation jetzt dauerhaft zurückgeht. "Ich habe die Daten mit Wohlgefallen gesehen", sagte Liebscher am Donnerstag vor Beginn der Ratssitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt, angesprochen auf die Juni-Inflationsrate in der Euro-Zone. Diese hatte nur noch 3,0 Prozent betragen nach 3,4 Prozent im Mai, als die Jahresteuerung den höchsten Stand seit Anfang 1993 erreicht hatte. Auf die Frage, ob die Inflation mit der Mai-Rate ihren Höhepunkt erreicht habe, sagte Liebscher: "Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer." Constancio optimistisch Der portugiesische Notenbankpräsident Vitor Constancio sieht in den jüngsten Preisdaten unterdessen eine Bestätigung für die Erwartung der EZB, dass die Inflationsrate im weiteren Verlauf des Jahres zurückgehen wird. "Wir sind erfreut über die jüngsten Zahlen", sagte Constancio und verwies zudem darauf, dass sich die Industrieproduktion in der Euro-Zone belebt hat. "Aber wir müssen weitere Daten abwarten, ob sich der Trend verfestigt", fügte er hinzu. Der EZB-Rat entscheidet am Donnerstag über die Leitzinsen in der Euro-Zone. Nach Einschätzung von Analysten wird die EZB die Zinsen erneut unverändert lassen und mit einer weithin für nötig gehaltenen Zinssenkung noch abwarten, bis die Teuerung im Währungsgebiet weiter nachläßt. Die EZB rechnet mit einem Rückgang der Inflationsrate im kommenden Jahr unter die von ihr definierte Obergrenze für stabile Preise von zwei Prozent. (APA/Reuters)