Den am Freitag beginnenden G-8-Gipfel in Genua und die Proteste der Globalisierungsgegner kommentieren mehrere europäische Blätter. Die italienische linksliberale Zeitung "La Repubblica": "Unter den acht Großen ist Europa nicht vertreten. EU-Kommissionspräsident Romano Prodi ist nur der neunte am Tisch. (...) Die Schwäche Europas ist ein globales Übel, weil sie ein gefährliches Vakuum voller Missverständnisse erzeugt, in dem man sogar glauben kann, dass die Globalisierung ein Yankee-Komplott ist, um den Rest der Welt zu erdrücken oder dass weniger 'Hamburger' ausreichen, um Afrika zu retten. Der Schlaf der Vernunft erzeugt Ungeheuer. Und zerfrisst sogar jenes kleinste Ideal, das mit Hilfe des amerikanischen Freundes Bill (Clinton) für eine sehr kurze Zeit die europäische Linke vereint hatte." Die spanische liberale Tageszeitung "El Mundo": "Die mehr als 100.000 Demonstranten, die aus allen Teilen der Welt nach Genua gereist sind, stellen das beste Beispiel für die Globalisierung dar, die sie bekämpfen wollen. Es ist offensichtlich, dass dieses Phänomen nicht zu stoppen ist. Wahr ist aber auch, dass weder die G-8, die keine Legimität besitzt, sich als Weltregierung aufzuspielen, noch irgendeine andere internationale Instanz es bisher geschafft hat, auf die großen Fragen der Globalisierung treffende Antworten zu geben: Wer regiert die globale Wirtschaft, nachdem in der Praxis die traditionellen Grenzen der Staaten aufgehoben worden sind? Und wie kann verhindert werden, dass die für die Entwicklung ärmerer Staaten unerlässliche Liberalisierung des Welthandels die Ungleichheiten zwischen Nord und Süd nur noch mehr vertieft?" Die Moskauer Tageszeitung "Kommersant": "Die Teilnahme des russischen Präsidenten an dem G-8-Treffen in Genua wird in Vielem symbolisch sein. Denn Russland wird kaum zu einem gleichberechtigten Partner bei der Diskussion über die Hilfe für arme Staaten werden. Dafür haben die bilateralen Treffen für Russland Vorrang. An erster Stelle die Begegnung mit dem amerikanischen Präsidenten, bei dem Präsident (Wladimir) Putin aller Wahrscheinlichkeit nach seine ablehnende Haltung zur Revision des ABM-Vertrages von 1972 mildern muss (...) Und gewiss wird das für den Kreml keine leichte Entscheidung: Russland hat sich selbst in die Enge getrieben, als es viele Jahre hindurch zu beweisen suchte, dass ABM ein Eckstein im System der strategischen Stabilität darstellt und seine Revision einfach unmöglich ist." Die russische Tageszeitung "Iswestija": "Das jetzige G-8-Gipfeltreffen wird in diplomatischen Kreisen nicht zu den Schicksalsträchtigen gezählt. (...) Dabei betonen die russischen Experten mit Genugtuung eine Tatsache: In den Schlussdokumenten wird Russland überhaupt nicht vorkommen. Das ist ein Erfolg. Im vergangen Jahr auf Okinawa wollte man die russische Besonderheit in den Dokumenten verankern, was Russland mit letzter Kraft verhindern konnte. Diesmal sind keine Wünsche entstanden. Russland unterscheidet sich im Prinzip nicht von allen anderen."