Mailand - Fiat-Patriarch Giovanni Agnelli kommt nicht aus den Schlagzeilen. Nachdem er ein feindliches Übernahmeangebot für den landesweit zweitgrößten Energiekonzern präsentierte, bringt er nun sein Kronjuwel - den Fußballklub AC Juventus - an die Börse. Die Agnelli Familienholding Ifil kontrolliert 99,6 Prozent des Juventus-Kapitals und will die Börseneinführung möglichst noch heuer starten. 35 Prozent des reichsten italienischen Fußballklubs werden verkauft. Die dem Fiat-Konzern nahe stehende Turiner Großbank San Paolo-Imi wird "Juve" beim Börsengang flankieren. Nach einem äußerst dynamischen Vorgehen am Fußballmarkt folgt nun das "going public". Juventus hatte in den letzten Tagen die "beste Nummer zehn der Welt", den Fußballliebling Zinedine Zidane an den spanischen Fußballklub Real Madrid abgegeben. Als Ablöse kassierte Agnelli 150 Mrd. Lire, knapp mehr als eine Mrd. Schilling. Zidane: Investment par excellence Mit einer über 20fachen Wertsteigerung gegenüber dem Einkaufspreis vor fünf Jahren ist Zidane nicht nur ein Investment par excellence. Er ist auch das Signal für die vom 80-jährigen Agnelli eingeleitete Vorwärtsstrategie. Zu der gehört nicht nur der Einkauf des Torhüters Gianluigi Buffon und des besten Verteidigers, des Franzosen Thuram. Der Börsengang erfolgt über eine Kapitalerhöhung. Der Wert des Turiner Fußballklubs wird auf 600 bis 650 Mio. Euro geschätzt. Dies bedeutet, dass frische Mittel bis zu 227 Mio. Euro in die Kasse des Fußballklubs fließen werden. Der Juve-Umsatz machte im Spieljahr 2000/2001 rund 150 Mio. Euro aus, der konsolidierte Nettogewinn betrug fünf Mio. Euro. Dem Vernehmen nach machten die "Löhne" der Fußballstars rund ein Drittel des Umsatzes aus. (Thesy Kness-Bastaroli, DER STANDARD, Printausgabe 21.7.2001)