Bonn - Der Vorsitzende der Weltklimakonferenz in Bonn, Jan Pronk, hält eine Einigung über das Kyoto-Abkommen innerhalb weniger Tage für möglich. Die Gespräche hätten bis nach Mitternacht gedauert und machten Hoffnung, sagte Pronk am frühen Samstagmorgen in Bonn. Am Samstag setzen die Delegierten aus rund 180 Staaten ihre Beratungen über das 1997 unterzeichnete, aber noch nicht ratifizierte Abkommen fort. Am Freitag hatte sich bei den Weltklimaverhandlungen noch kein rascher Durchbruch zur Eindämmung des Klimawandels abgezeichnet. Erst nach mühsamen Gesprächen gelang die Einigung auf eine Verhandlungsgruppe von etwa 35 Staaten, die zentrale Streitfragen bei der Umsetzung des Kyoto-Abkommens lösen soll. "Es gibt Fortschritte, und ich bleibe hoffnungsvoll, dass die Parteien zu einem Kompromiss gelangen können - nicht Punkt für Punkt, sondern in einem Gesamtpaket", sagte der niederländische Umweltminister Pronk. Der deutsche Umweltminister Jürgen Trittin hatte zuvor gemahnt, sehr schnell Sachverhandlungen aufzunehmen. Eine Einigung sei ebenso möglich wie ein Scheitern. Weichen für Erfolg in Genua Erst am Freitagmittag war die Bildung einer Verhandlungsgruppe von etwa 35 Ministern aus den verschiedenen Ländergruppen gelungen, die in der vorangegangenen Nacht zunächst am Streit über die Stimmenverteilung gescheitert war. In der Gruppe will die Europäische Union (EU) Kompromisse aushandeln, um Japan und Russland zur Zustimmung zu einer Vereinbarung zu bewegen. Diese ist wegen der Ablehnung der USA für eine Ratifizierungsmehrheit unverzichtbar. Die Weichen für einen Erfolg werden möglicherweise in Genua gestellt, wo am Freitag das Gipfeltreffen der sieben führenden Industrienationen und Russlands (G8) begann. Als entscheidend für einen Erfolg in Bonn gilt, dass Japans Ministerpräsident Junichiro Koizumi von Genua aus das Signal gibt, dass Japan auch ohne die USA zur Ratifizierung des Kyoto-Abkommens bereit wäre. Der deutsche Bundeskanzler Gerhard Schröder will Koizumi am Samstag zu einem Gespräch treffen. Beim Klimaschutz fordert Japan eine stärkere Anrechnung von Waldflächen bei der Reduktion des Treibhausgases Kohlendioxid (CO2). Im Kyoto-Abkommen hatten sich die Industrieländer 1997 verpflichtet, ihren Ausstoß an Treibhausgasen bis 2012 um durchschnittlich 5,2 Prozent unter den Stand von 1990 zu senken. Die USA lehnen das Abkommen ab. (APA/Reuters)