Wien - "I steh' in da Kältn und woart auf Infos, wäu er kummt scho, kummt scho. Sehr bald kummt er scho, der Euro . . . Des könntn wir Taxler jetzt singen", sinniert der lang gediente Taxifahrer Walter M. aus Wien-Meidling. "Also i werd' ma's guat überlegn, ob i zu Silvester überhaupt foahr. I hob jo ka Ahnung, woher i dann des Wechselgeld herkriag für die Nacht? Und unnötige Brösln möcht' i eigentlich vermeidn." "Alles paletti", versichert Heinrich Frey, Vorstand der Taxiinnung. Die Taxameter sind technisch bereits umgestellt, sie springen automatisch am 1. Jänner null Uhr auf Euro um. Die ganz modernen Modelle sind so programmiert, dass sie zuerst beide Währungen anzeigen, ab 1. März 2002 nur mehr Euro. Die meisten Funkzentralen werden auch ein Wechselgelddepot für die Silvesternacht einrichten. Obwohl die Innung der Meinung ist, dass die Fahrer "in guter Stimmung und eh schon bestens informiert" sind, schätzen einige Taxler, dass zu Neujahr rund ein Drittel weniger Kollegen auf der Straße unterwegs sein werden als üblich. "Also i bin sehr skeptisch, sag' i Ihnen. Schaun S', wenn i drei Fahrgäste hintereinander hab', die Sechzig- oder Neunzig-Schülling-Fuhren mit an Fünfhunderter bezahln und i muass in Euro rausgebn, dann hab' i nach einer Stund' kane Euro mehr", befürchtet ein Taxikollege in Floridsdorf. Außerdem vermisst er Direktiven des Fachverbandes, bis zu welcher Höhe er bei Euroscheinen Retourgeld geben können muss. Derzeit sind Taxifahrer nicht verpflichtet, einen Ein-oder gar Fünftausend-Schilling-Schein anzunehmen. "500-Euro-Scheine wü i oba a net dauernd wechseln müssn - des könnt' i wahrscheinlich a gar net am Anfang, wäu im Startpaket san ja blöderweise nur Münzen drin", bedauert Walter M. "Schüssel" "Wir hobn uns ausgrechnet, dass am 1. Jänner zirka 10.000 Schilling in Euro als Wechselgeld nötig san, da brauch' i ja dann a Schüssl für die vüln Münzen." Dazu ein Tipp von der Innung: "Klar werden die Fahrer mehrere oder größere Börseln brauchen, die mehr Platz für Münzen haben. Wir rechnen aber mit einer Steigerung des bargeldlosen Bezahlens im Taxi. 2500 von 4200 Wiener Taxis nehmen bereits Kreditkarten. Für die elektronische Quickbörse warten wir noch auf eine Genehmigung", so Heinrich Frey. Neben Kreditkarten sind auch Kunden-und Gutscheinkarten bei den Wienern recht beliebt. (Gutscheinkarten: zu laden bis 2000 S, zu bestellen bei 40100, 60160 und 31300). Laut Leo Müllner, Geschäftsführer der Taxizentrale 40100, werden derzeit zehn bis 15 Prozent des Umsatzes via "Taxi-Cash" also bargeldlos - eingenommen. Im Eurozeitalter rechnet er mit einer Steigerung um rund 30 bis 50 Prozent. Trend zum Plastikgeld Einen starken Trend hin zum Plastikgeld bestätigt auch eine nicht repräsentative Umfrage des S TANDARD am Floridsdorfer Schlingermarkt: 70 Prozent der Befragten können sich mit Plastikgeld "besser anfreunden als mit dem blöden 13 Komma irgendwas Euro", 15 Prozent verwenden bereits "Karterln", zehn Prozent werden "mit'm Euro genauso zoin wia mit'm Schülling" und nur ein Prozent meint: "Hearst, i bin do net deppat, i zoi mit kan Karterl. Des is ka Geld und den Euro brauch i a net. I bleib beim Schülling." Der Rest ist des Themas Euro überdrüssig: "I konn des ollas nimma hearn. Des mit'm Euro mochn's eh nur, damit's die Preise erhöhn können." Taxifahren wird jedenfalls durch die Euroumstellung keinesfalls teurer, versprechen Innung und Fachverband. Im Gegenteil. Ab 1. Jänner 2002 ist die Grundtaxe mit zwei Euro (27,52 Schilling) sogar um 48 Groschen billiger als bisher (28 Schilling). Und um die zwei Euro Grundtaxe kann man sich anstatt bisher 133,3 Meter ab nächstem Jahr 183,5 Meter weit mit dem Taxi chauffieren lassen. Der Taxameter springt dann - statt bisher um zwei Schilling - um zwanzig Cents weiter. Hund und Gepäck reisen kostenlos mit - diese Zuschläge wurden bereits im Juni abgeschafft. (Astrid Kasparek, DER STANDARD, Printausgabe 23.7.2001)