Wien - Rubbelloskäufer rubbeln nicht bloß, um für sich selbst möglichst viel Geld zu errubeln. Nein, höhere Ziele sind den Rubblern zu unterstellen: die Sanierung der Votivkirche. Mit dieser unkonventionellen Finanzierung aus dem Erlös der Rubbellosserie "Land der Schätze" werden heuer und nächstes Jähr mit zehn Millionen Schilling (726.728 EURO) die Reparaturarbeiten für die Votivkirche finanziert, erklärte Norbert Helfgott vom Bildungsministerium im Gespräch mit dem STANDARD. Insgesamt wird die Aktion 30 Millionen für den Denkmalschutz einbringen. Erbaut wurde die dreischiffige neugotische Basilika ab 1854 aus Dankbarkeit für die Rettung des jungen Kaisers Franz Joseph I. vor einem Attentat. Das Bauwerk gilt als bedeutendes Bauwerk des europäischen Historizismus. Abstürzende Fassade Barbara Neubauer vom Bundesdenkmalamt will gemeinsam mit dem Bauamt der Erzdiözese Wien, "rasch mit dem Dringendsten" auf der Baustelle beginnen: Eine Seite der Votivkirche ist total eingerüstet, weil Turmteile abzustürzen drohen. "Auch das Dach gehört erneuert." Nur von bestimmten Seiten ist der Zugang zur Kirche möglich, weil Passanten verletzt werden könnten. Eindringendes Wasser wäscht den Kalkstein aus; Umweltschmutz verkrustet an der Außenfassade, die großflächig abbröckelt. 450 Mio. Schilling würde die Sanierung insgesamt kosten. Wie DER STANDARD im April berichtete, scheitert die Kirchensanierung am Geld. Die Stadt Wien macht ihre Finanzierungszusage von 150 Millionen davon abhängig, ob der Bund ein Drittel davon zahlt. Dort wurde aber noch keine Entscheidung getroffen, wie Helfgott bestätigt. Die Rubbellosserie ist im März vom Bildungsministerium und den Österreichischen Lotterien entworfen worden. Ein Los kostet 50 Schilling. Mit der Aktion soll die Finanzierung des Erhalts des Weltkulturerbes in Hallstatt, der Wachau, Wien oder Salzburg unterstützt werden. (Andrea Waldbrunner, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 24.07.2001)