Wien - Österreichs Nahrungsmittelindustrie fühlt sich nach wie vor "im Würgegriff des Handels". Es wäre nötig, Preise anzuheben, was aber auf Grund des im Handel tobenden Konkurrenzkampfs nicht durchzusetzen sei. Und das habe die Ergebnisse der Industrie belastet, zog der Geschäftsführer des Fachverbandes der Nahrungs- und Genußmittelindustrie, Michael Blass, am Dienstag in einer Pressekonferenz Bilanz. Die Zahl der Industriebetriebe sinke weiter. Osterweiterung bringt Impulse Dennoch blicke der Verband "verhalten optimistisch" in die Zukunft. Weitere Exportanstiege, eine anhaltende Erholung im Tourismus sowie ein verstärktes Konsumentenbewusstsein für Lebensmittelsicherheit als Folge der vergangenen Fleischkrisen stimmen die Nahrungsmittelindustrie zuversichtlich. Vor allem von der Osterweiterung erwartet sich Blass positive Impulse - "wenn die Spielregeln passen", wie er betont. Zunehmender Kostendruck Auch im Jahr 2001 seien die Lebensmittelmärkte von einem zunehmenden Kostendruck und Verdrängungswettbewerb geprägt. Eine Änderung der Lebens- und Konsumgewohnheiten in Richtung Ein-Personen-Haushalte oder doppelte Erwerbstätigkeit werde für die Industrie eine Herausforderung und keine Bedrohung darstellen, so Blass. Unterstützung werde es auch künftig durch die Technologie- und Innovationsoffensive geben, die seit 1998 läuft und 321 Mill. S an Fördergeldern aufgebracht habe. Betriebe steigern die Effizienz Trotz des schwierigen Umfeldes habe sich die Lebensmittelindustrie in Österreich im abgelaufenen Jahr 2000 mit einem Produktionswert von 73,6 Mrd. S (minus 0,9 Prozent) "gut behauptet", so Blass. In 262 Industriebetrieben der Nahrungsmittelsparte (1999: 267) waren per 31. Dezember 29.330 (nach 29.021) Mitarbeiter beschäftigt. Wenn auch die Zahl der Firmen rückläufig ist, so arbeiten die bestehenden Betriebe "effizienter", stellte Blass fest. Konzentration im Handel Durch die hohe Handelskonzentration - der Marktanteil der Top 2 (Billa, Spar) ist laut Nielsen von 60 auf 62,6 Prozent gestiegen, der Marktanteil der Top 5 von 82,2 auf 86 Prozent - sei es nicht möglich gewesen, nötige Preiserhöhungen durchzusetzen. Während der Verbraucherpreisindex 2000 um 2,3 Prozent zulegte, ist der Teilindex für Nahrungsmittel nur um 1,1 Prozent gestiegen. Auch der Preisauftrieb bei Energie-, Transport- und Rohstoffkosten habe der Branche zu schaffen gemacht. Der gesamte Lebensmittelbereich (alle Sektoren inkl. Handel und Handwerk) war daher im Vorjahr von 201 Insolvenzen im Ausmaß von 1,3 Mrd. S betroffen.(APA)