Wien - Sonntagabend wurden 25 AktivistInnen der "VolxTheaterKarawane", die auf der Fahrt von Genua nach Frankfurt, der nächsten Station ihrer Tour, unterwegs waren, von der italienischen Polizei gestoppt und verhaftet. Von den AktivistInnen waren 17 TeilnehmerInnen der Karawane aus Österreich. Das Außenministerium teilte mit, dass die zehn Männer in der Haftanstalt Alessandria in Genua und die sieben Frauen in Voghera inhaftiert seien. Über den Verbleib der „nicht-österreichischen“ KünstlerInnen liegen derzeit keine Informationen vor. Der Vorwurf der italienischen Polizei lautet auf Sachbeschädigung und Plünderung. Die österreichischen Vertretungsbehörden stünden, so ein Sprecher, in Kontakt mit ihren italienischen KollegInnen. Besuchbewilligungen und anwaltliche Vertretung können die Inhaftierten aber erst nach der Richter-Entscheidung über ein mögliches Verfahren erhalten.“No border, no nation“ Zug durch Europa Unter dem Motto: "No border, no nation" startete am 26. Juni in Wien die „VolxTheaterKarawane“ einen theatralischen Zug durch Europa, der mittels Straßentheater auf die Probleme von Migration und Globalisierung aufmerksam machen wollte. Das europäische Netzwerk "noborder", ist ein Plattform gegen Rassismus. Unterstützung kommt von zahlreichen Organisationen, Parteien und Prominenten. So haben der Grüne Mandatar Karl Öllinger und die frühere SPÖ-Frauenministerin Johanna Dohnal, den Protest, der „ein Aufschrei gegen Europa, dessen Grenzen nach außen und nach innen immer enger gezogen würden“ ist, unterstützt. „Wir sehen uns als spezifischen Protestpart, der die Kampagne "no border, no nation, no one is illegal" an Orten politischer Auseinandersetzung, so auch in Genua, mit künstlerisch-politischen Mitteln artikulieren will. Gleichzeitig geht es um die Vermittlung der Themen, die damit zusammenhängen: Abschottungspolitik Europas, restriktive Asylgesetzgebung, MigranntInnenrechte, ausufernder Neoliberalismus, und Globalisierungsproblematiken“, so die KünstlerInnen. Schwere Vorwürfe gegen Italienische Polizei Am Sonntag Abend wurden im italienischen Fernsehen RAI 3 in den landesweit ausgestrahlten Nachrichten mehrere Videoaufnahmen gezeigt. Diese zeigten Zivilpolizisten, die sich als "Demonstranten verkleideten“. Neben Vermummungen sollen auch Eisenstangen und Helme die „Kostümierung“ vervollständigt haben. Ebenso berichtete die italienische Tageszeitung „La Repubblica“ über den Einsatz von als „Demonstranten getarnten“ Zivilpolizisten. Deutsche Grün-Abgeordnete fordern internationale Untersuchungskomission Die Proteste gegen das Vorgehen der italienischen Polizei mehren sich. Wie die „Netzzeitung.de“ berichtet, fordern nun auch zwei prominente Budestagsabgeordete der Grünen, Cem Özdemir und Christian Ströbele einen internationalen Untersuchungsausschuss, der die Vorwürfen gegen die italienischen Sicherheitsbehörden untersuchen soll. Die Berichte, dass Personen aus dem „Schwarzen Block“ bei der Polizei aus- und eingegangen seien, müssen überprüft werden. Es bestünde der begründete Verdacht einer «Zusammenarbeit zwischen Provokateuren und der Polizei». “500 DemontrantInnen werden noch vermisst“ 500 weitere DemonstrantInnen werden, laut Angaben der italienischen Rechtshilfe, noch von ihren Angehörigen „vermisst“. Gefangengenommene berichteten, nach ihrer Entlassung, von schwerer psychischer und physischer Folter, von mit Mussolini-, Nazi- und Pornobildern vollgehängten Räumen in den Gefängnissen, und davon, dass sie gezwungen worden seien "viva el duce" zu schreien, berichtet die Rechtshilfe. (red)